Kommentar zur Zukunft des Goldzack-Gebäudes in der Wiesenstraße Wuppertal

Kommentar - auch - zur Zukunft des Goldzack-Gebäudes : Thema Geld mal anders denken!

Die Stadt braucht dringend jeden Euro. Das ist mir klar. Aber es gibt Beispiele dafür, dass das tunnelartige Denken in Richtung „Wir müssen unbedingt mindestens eine schwarze Null schreiben!“ nicht auf gute Wege führt. Das Thema Goldzack-Gebäude ist ein Beleg für das, was ich meine.

Eine über die vergangenen Jahre entstandene Nutzung wie hier, die ganz unterschiedliche Menschen von Handwerkern über Theatermacher und Kletterer bis hin zum WSV-Fanprojekt oder den Bandwirker-Historikern unter einem Dach vereint, zeigt, was Wuppertal kann. Für viele derer, die heute an der Wiesenstraße 118 zu Hause sind, ist lange nach einer sinnvollen, attraktiven und gut erreichbaren Unterbringung gesucht worden. Darum ist es kein Wunder, dass sie beunruhigt sind. Mögen die Statements, die Oberbürgermeister Andreas Mucke gegenüber der Rundschau (siehe obiger Artikel) abgegeben hat, dazu führen, diese Wogen zu glätten. Und möge es dem Oberbürgermeister gelingen, dass er seine Visionen für diese in Trassennähe definitiv stadt(teil)bildende Immobilie umsetzt.

Die Stadt braucht Gebäude, die so funktionieren wie die Wiesenstraße 118: Gebäude, in denen die Mieter „anständige“ Mieten bezahlen, um ihre facettenreiche Arbeit tun beziehungsweise ihre für unterschiedliche Generationen interessanten Angebote realisieren zu können. Ein Glück, dass Luxus-Lofts hier ausgeschlossen sind: Wäre das nicht so, stünden die Bau-Interessenten an solch einer verlockenden Stelle – trotz immensen Sanierungsbedarfes – in langen Schlangen vor der Tür.

Ich bin kein Grüner. Aber die Position des Grünen-Chefs Robert Habeck, der für bestimmte Bereiche den Abschied vom „Schwarze-Null-Denken“ fordert, überzeugt mich. Unter anderem deshalb, weil ich seit vielen Jahren am Beispiel der Stadt Wuppertal live sehe (und jeder andere kann das auch sehen), wie das letztlich von der angeblich allheilenden Schuldenbremse ausgelöste „Schwarze-Null-Denken“ die kommunalen Handlungsträger dazu zwingt, allzu oft nur starr aufs Geld zu schauen. Spielräume schrumpfen ins Mikroskopische. Wünsche nach mehr Flexibilität werden mit „Wir haben kein Geld“ pulverisiert. Und die Bürger haben – was vielleicht das Schlimmste daran ist – dieses Denken auch schon so sehr verinnerlicht, dass sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, es könne auch anders laufen.

Kann es aber. Wenn man will. Dazu braucht es eine gemeinsame Front aller kommunalen Akteure. Und aller Bürger.

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