Kommentar zum Radverkehrskonzept in Wuppertal

Kommentar zum Radverkehrskonzept : Wegweisende Beschlüsse?

„Ich hoffe, dass dieses Jahr noch mehr mitmachen und wir bald im Rat wegweisende Beschlüsse fassen, um die Rad-Infrastruktur zu verbessern.“ Das sagte Oberbürgermeister Andreas Mucke Ende Juni beim Startschuss für die Aktion „Stadtradeln“ auf dem Laurentiusplatz.

Das mit den Teilnehmern hat funktioniert, das mit dem wegweisenden Konzept weniger. Was jetzt als Radverkehrskonzept samt Beschlussvorlagen in die politischen Gremien eingebracht wird, ist noch weniger als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Die Antwort auf die Kernfrage, wie Radverkehr auf der B7 im zentralen Bereich der Talachse möglich gemacht werden soll, sieht darin nämlich so aus: Zwischen Robert-Daum-Platz und Kasinostraße könnte man noch eine Busspur verlängern und öffnen. Zwischen Kasinostraße und Bembergstraße muss man erstmal die Ergebnisse der „Qualitätsoffensive Innenstadt“ abwarten. Den Bereich zwischen Bembergbrücke und Haspel muss man tiefergehender untersuchen. Das gilt auch für den besonders neuralgischen Abschnitt zwischen Haspel und Loh, der (welch überraschende Feststellung!) zu eng für Fahrradstreifen ist. Und zwischen Loh und Werther Brücke braucht es – Sie ahnen es schon – eine tiefergehende Untersuchung ...

Zu so viel Kreativität passt der Betrag, der im Wuppertaler Haushalt jährlich für Maßnahmen zu Gunsten des Radverkehrs eingeplant ist – nämlich 200.000 Euro.

Wuppertal hat es sich selbst auferlegt, bei 2025 zur Fahrradstadt zu werden. Mit diesem Anspruch verhält es sich ganz ähnlich wie mit Zielen aus der Kategorie autofreie Innenstadt oder Klimaschutz: Wer die ernst meint, muss auch ernst machen. Ein funktionierendes Radwegenetz kostet viel Geld und führt zu massiven Einschränkungen anderer Verkehrsteilnehmer. Autos raus aus der City bedeutet Belästigungen für Besucher und Anwohner. Und weniger Emissionen sind (lokal) ebenfalls nur zu realisieren, wenn man den Menschen Unbequemlichkeiten zumutet.

Solche Dinge kann man daher – wenn man sie denn wirklich realisiert wissen möchte – nur mit starkem politischem Willen und einer soliden Ratsmehrheit durchsetzen, die Wuppertal aktuell nicht hat. Deshalb redet zwar alles über die OB-Wahl 2020 und die noch weitgehend unbekannten potenziellen Kandidaten dafür. Viel wichtiger ist aber die zeitgleich stattfindende Wahl des Stadtrates. Wie weit man ohne dessen Rückendeckung kommt, wenn man als Oberbürgermeister auf wegweisende Beschlüsse hofft, erleben wir ja aktuell ...

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