Verbot von Feuerwerk zu Silvester: Hannah Florian kommentiert

Kommentar zur Diskussion um das Verbot von privatem Silvester-Feuerwerk : Weniger umweltschädlich, sicherer, gesünder

Bunte Raketen, Fontänen und Böller gehören zur Silvesternacht einfach dazu. Jedes Jahr werden um kurz vor 24 Uhr die Feuerzeuge herausgekramt und die Feuerwerkskörper bereit gelegt. Sobald das Klirren der Sektgläser verklungen ist, geht es raus vor die Tür, die leere Sektpulle als Raketenstartrampe in der Hand.

Dann wird geknallt. Die Jungen zünden Böller, die Älteren Raketen und die ganz Alten stehen mit Wunderkerzen in der Hand unterm Vordach und beobachten das farbenfrohe Spektakel.

Aber sind Sie in der Silvesternacht, nach der ganzen Knallerei, schon mal durch die Innenstadt nach Hause gegangen? Ich schon. Es gab Nächte, da sah man sprichwörtlich die Hand vor Augen nicht. Keine drei Meter weit ließ dichter Nebel die Sicht zu. Aber das ist normal, gehört einfach dazu, oder?

Die Deutsche Umwelthilfe sieht das nicht so. Sie veröffentlichte vergangene Woche eine Pressemitteilung, in der es heißt: „Die Menge des um den Jahreswechsel freigesetzten Feinstaubs entspreche etwa 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge.“ Zu viel und zudem noch gesundheitsschädlich.

Sie fordert, das private Feuerwerk an Silvester und somit den Privatverkauf von Feuerwerkskörpern zum Jahreswechsel zu verbieten. Was folgte, war ein Aufschrei. Im ersten Moment scheint die Silvesternacht ohne Knallerei nicht vorstellbar – und das soll sie ja auch gar nicht sein. Die Deutsche Umwelthilfe empfiehlt stattdessen, öffentlich und zentral organisierte Feuerwerke zu zünden, außerhalb der Innenstadtbereiche, in denen sich der Feinstaub nicht zwischen den eng stehenden Häusern verfängt.

So handhaben es zum Beispiel auch unsere Nachbarn in Frankreich, Dänemark und sogar in direkter Nähe, in den Niederlanden, in denen privates Feuerwerk zumindest in bestimmten Innenstadt-Zonen untersagt ist. Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch wegen der erhöhten Unfallgefahr.

Und das ist ein wichtiger Punkt. Wer schon mal an Silvester durch Berlin gelaufen ist, der weiß, wovon ich rede: von der Angst, dass mir ein Böller (der mit Sicherheit die in Deutschland erlaubte Sprengkraft überschreitet) direkt vor dem Gesicht explodiert. Silvester in einigen Berliner Stadtteilen hat nichts mehr mit ein paar aus der Sektflasche heraus gezündeten Raketen zu tun, die für wenige Sekunden den Himmel in bunte Farben tauchen.

Stellen wir uns das Szenario einmal vor: Ohne privates Feuerwerk würden fremde Menschen an Silvester auf großen Flächen außerhalb der Innenstadtbereiche zusammenkommen und gemeinsam, friedlich, ohne große Gefahr das Spektakel genießen. Ein farbenfrohes Feuerwerk, gezündet von erfahrenen Pyrotechnikern. Es würden nicht schon zwei Tage vor Silvester ohrenbetäubende Knallgeräusche die „Stille“ in den Innenstädten zerreißen. Es würden um Silvester herum weniger Menschen in der Notaufnahme landen. Und es würde den Tieren, freilaufend oder domestiziert, zum Jahreswechsel deutlich besser ergehen. Ihre sensiblen Ohren hören jeden explodierenden Böller mehr als doppelt so laut und verstehen nicht, dass der Lärm in der Silvesternacht für sie keine unmittelbare Gefahr darstellt. Wie gefällt Ihnen dieses Vorstellung? Mir persönlich gefällt sie sehr gut.

Ein paar Tage nach Veröffentlichung der Pressemeldung der Deutschen Umwelthilfe meldete sich übrigens der Verband pyrotechnischer Industrie zu Wort und zweifelt die Zahlen der Umwelthilfe an. Ob es sich tatsächlich um 16 Prozent der in einem Jahr im Straßenverkehr entstehenden Menge an Feinstaub handelt, die wir an Silvester in einer Nacht produzieren, oder doch nur um die 14 oder 10 Prozent, ist ja eigentlich nicht von Belang. Ein zentral organisiertes Feuerwerk würde mit Sicherheit im Vergleich zu unzähligen privat gezündeten Raketen deutlich weniger umweltschädlich sein, sicherer und gesünder für uns und (unsere) Tiere.

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