"Bettensteuer": Warum nicht für den Tourismus?

Kommentar zur geplanten „Infrastrukturförderabgabe“ : Warum nicht für den Tourismus?

„Bettensteuer“, „Kurtaxe“ oder „Tourismusabgabe“ – das Kind hat in Deutschland viele Namen. Die Grundidee ist aber immer die Gleiche: Private Hotelgäste zahlen auf ihre Übernachtungen einen Zuschlag, damit die jeweilige Kommune ihre touristische Infrastruktur verbessern oder instand halten kann. In Wuppertal soll sie jetzt auch kommen und „Infrastrukturförderabgabe“ heißen.

Hotelgäste, die nicht geschäftlich übernachten, müssten dann fünf Prozent Aufschlag berappen, sofern der Stadtrat am 18. November dem entsprechenden Verwaltungsvorschlag zustimmt.

Der feine Unterschied zu anderen Städten: Die kalkulierten Netto-Mehreinnahmen von rund 350.000 Euro sollen nicht in die touristische Infrastruktur fließen, sondern andere freiwillige Leistungen der Stadt abdecken: Aktivitäten des Kulturbüros, die Förderung der freien Kulturszene und der Bühnen, Vorlaufkosten für das Pina-Bausch-Zentrum und Zuschüsse für freie soziale Träger. Das sind alles ehrenwerte Zwecke – mal abgesehen davon, dass die Stadt gerade ein Vielfaches der hier abgedeckten Bausch-Zentrums-Vorlaufkoten in anderer Bausch-Sache an Rechtskosten und Abfindungs-Rückstellungen versenkt. Aber der bedürftigste Bereich fehlt. Und das ist genau der, der die Abgabe erwirtschaftet.

In einem Ranking auf Basis der Google-Bewertungen für die Touristeninformationen in den 20 größten deutschen Städten belegt Wuppertal den vorletzten Platz. Dafür kann die diesen Bereich verantwortende Wuppertal Markting GmbH selbst rein gar nichts. Wuppertals Touristen-Informationsbüro wurde als zentrale Anlaufstelle für alle Besucher dieser Stadt 2012 im Zuge des Döppersberg-Umbaus vom angestammten Pavillon am Eingang zur Elberfelder Innenstadt ins abgelegene City-Center an der Schloßbleiche ausquartiert und verschwand damit praktisch vom Radar. Der Umzug in ein winziges Ladenlokal am wenigstens etwas zentraler gelegenen Kirchplatz machte die Sache 2017 auch nur geringfügig besser.

Und das wohlgemerkt in Zeiten, wo Wuppertal als Freizeit-Destination stetig beliebter wird. Pro Jahr rund 600.000 Gäste-Übernachtungen und vor allem rund 40.000 Buchungen für geführte Stadtrundgänge (2010 waren es nur 12.000) belegen, wie groß das Interesse an offiziellen touristischen Angeboten ist. Umso schlimmer, dass sich der vorgesehene Neubau des Infozentrum-Neubaus an der Alten Freiheit immer weiter nach hinten verschiebt. Vorige Woche wurde bekannt, dass der politische Eiertanz um den Wupperpark-Ost das Pavillon-Projekt noch einmal um bis zu ein Jahr verschieben könnte.

Als die Wuppertal Touristik am Döppersberg auszog, war man noch davon ausgegangen, am neuen Tor zur Elberfelder City ab 2016 wieder präsent sein zu können ...

Und noch schlimmer: Durch den Schwebebahnunfall und -ausfall ist der Wirtschaftsplan der Wuppertal Marketing GmbH als Trägerin der touristischen Aktivitäten komplett zusammengebrochen, weil damit seit November 2018 auch die Kaiserwagenfahrten als absolute Cash-Cow und Zugpferd für ganze Reisegruppen weggefallen sind. Und dieser Zustand wird voraussichtlich noch bis Juli 2020 andauern, weil die Schwebebahn zwar wieder fährt, der Kaiserwagen aber erst nächsten Sommer wieder einsatzbereit sein soll. Bis heute hat der Ausfall dem Stadtmarketing Einnahmeausfälle von rund 400.000 Euro beschert – vom Vertrauensverlust bei allen Enttäuschten, die lange im voraus Kaiserwagenfahrten gebucht hatten, mal ganz abgesehen. Was diese Größenordnung für ein überwiegend städtisches Unternehmen bedeutet, das 2017 im letzten „normalen“ Geschäftsjahr rund eine Million Euro Umsatzerlöse erzielt hat, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Was läge also näher, als die „Infrastrukturförderabgabe“ auch wieder ins absolute touristische Basisangebot zu investieren und dem Stadtmarketing wenigstens ein kleines bisschen Handlungsspielraum zu erhalten? So wie es die anderen Städte auch machen. Zumal damit auch den Hotels, die durch die Abgabe Verwaltungsaufwand und Wettbewerbsnachteile haben, signalisiert würde, dass ihnen die Erlöse zumindest mittelbar wieder zu Gute kommen. Irgendwie ist in der Wuppertaler Verwaltung da scheinbar niemand drauf gekommen. Aber vielleicht merkt ja in der Politik noch rechtzeitig jemand, dass es Wuppertal verdammt gut zu Gesicht stehen würde, sich Besuchern nicht mit dem touristischen Handwerkszeug eines Kuhdorfes zu präsentieren. Dazu wird dann irgendwann übrigens auch die Frage gehören, ob sich die Wuppertal Touristik eigentlich die Miete in dem tollen Pavillon überhaupt leisten kann, den die Stadt für sie hoffentlich irgendwann doch noch bauen lässt ...

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