Kommentar zum Poker um die Oberbürgermeister-Kandidatur in Wuppertal

Kommentar zum Poker um die Oberbürgermeister-Kandidatur : Sprung über den Schatten?

Hinter vorgehaltener Hand kursierte der Name schon lange, seit einigen Tagen ist die Katze jetzt aus dem Sack: Uwe Scheidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, könnte als gemeinsamer Kandidat von Grünen und CDU ins Rennen um den Oberbürgermeister-Posten gehen. Die Betonung liegt allerdings auf „könnte“, denn es ist noch völlig offen, ob Schneidewind als Grünen-Mitglied auch der CDU-Basis vermittelbar sein wird.

Aus Parteikreisen hört man da bisher völlig unterschiedliche Einschätzungen.Was aber kaum jemand bezweifelt: Mit Schneidewind als prominentem Zugpferd hätten Grüne und CDU eine echte Siegchance, weil der Mann ganz viel von dem unter einen Hut bringt, was im Oberbürgermeister-Rennen zum Erfolgsfaktor werden könnte: Der eloquent und sympathisch auftretende Wissenschaftler steht einerseits absolut glaubwürdig für den Kampf gegen den Klimawandel und hat immer wieder anschaulich beschrieben, wie gesellschaftlicher Wandel im Zeichen der Nachhaltigkeit ganz konkret vor Ort in der Stadt aussehen könnte.

Andererseits ist er aber als studierter Betriebswirtschaftler mit Unternehmensberatungs-Vergangenheit alles andere als ein Öko-Stalinist. Mit diesem Profil kann man mit Wirtschaftsbossen auf Augenhöhe diskutieren und gleichzeitig diejenigen begeistern, die gerade auch in Wuppertal zu zigtausenden im Zeichen des Klimaschutzes auf die Straße gehen. Und, kleiner Reminder: Bei der Kommunalwahl dürfen schon alle ab 16 an die Urne ... Wäre Schneidewind jetzt noch eine Frau und kein Grünen-Mitglied, käme er der Idealvorstellung bei der gemeinsamen Kandidaten-Sondierung des Wuppertaler Rats-Kernbündnisses ganz, ganz nah. So aber wird die Wahl vor der Wahl zu einem interessanten Pokerspiel, in dem bereits der Zeitpunkt, an dem der Name Schneidewind öffentlich wurde, Teil der Strategie sein könnte. Bisher halten sich alle Parteien dabei aber öffentlich noch sorgsam bedeckt. Dass Schneidewind ohne breite Parteienrückendeckung nicht antreten würde, hat er bereits durch die Blume zu verstehen gegeben. Gibt’s also keine Einigung zwischen den Kernbündnis-Partnern im Rat und gegebenenfalls auch noch der in Wuppertal nie zu unterschätzenden FDP, dann müssten die Parteien wieder auf die Suche nach eigenen Kandidaten gehen. Über mögliche Ambitionen von Grünen-Vordenker Marc Schulz oder CDU-Parteichef Matthias Nocke wird dabei gerne spekuliert.

Dass beide im Alleingang gegen Amts(bonus)inhaber Andreas Mucke deutlich schlechtere Karten hätten als ein gemeinsamer Kandidat Schneidewind liegt aber auf der Hand. Ob diese Erkenntnis reicht, um der CDU zum Sprung über den eigenen konservativen Schatten zu helfen? Da dürfen wir mal sehr gespannt sein ...

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