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Kommentar zur Kommunikation zwischen der Deutschen Bahn und der Stadt Wuppertal

Kommunikation zwischen Bahn und Stadt : Man muss ja nicht alles verstehen ...

Die Bahn koppelt Wuppertal mal wieder vom Zugnetz ab und sagt immerhin kurz vorher und nicht erst nachher Bescheid. Darüber könnte man schmunzeln - wie über so vieles im Zusammenhang mit dem, was in der Kommunikation zwischen der Stadt und dem Verkehrsriesen schief geht. Ganz anderes Beispiel gefällig? Dann schauen wir doch mal in das Protokoll der Sitzung des Wuppertaler Seniorenbeirats vom 26. November 2019.

Darin ist festgehalten, wie es um die Bemühungen des Gremiums steht, in der neuen Mall am Wuppertaler Hauptbahnhof Sitzgelegenheiten zu schaffen. Diesen Wunsch hatten viele Senioren an den Beirat herangetragen, der die politische Stimme von rund 75.000 Wuppertalern ist, die zur Altersgruppe 65 plus gehören. Man muss übrigens keine 65 sein, um diesen Wunsch nachvollziehen zu können: Angesichts der beklagenswerten Aufenthaltsqualität an Elberfelds zugigen Hauptbahnhofs-Bahnsteigen und der berüchtigten Unpünktlichkeit vieler Züge würden sich alle Reisenden über die Möglichkeit freuen, in der riesigen Vorhalle ohne Konsumzwang bequem sitzend Wartezeit zu überbrücken. Zumal man als Normalbürger schon sehr viel Fantasie braucht, um in diesem überdimensionalen Gebilde mit seinen ausladenden Laufflächen eine Fluchtwegsproblematik oder ähnliches zu erkennen.

Bänke aufzustellen schien trotzdem unmöglich, wenn wir in besagtes Protokoll schauen, das ein faszinierendes Ping-Pong-Spiel zwischen Bahn und Verwaltung schildert: Nach Rückmeldung der DB Station & Service, an die die Stadt Wuppertal die Halle nach Fertigstellung übergeben hat, ist eine Schaffung von Sitzplätzen aufgrund von Vorgaben des kommunalen Baurechts nicht möglich. Frau Habiger (Anmerkung: Geschäftsführerin des Seniorenbeirats) erläutert, dass sie nach der Sitzung am 03.09.2019 mit dem Geschäftsbereichsbüro von Herrn Meyer Kontakt aufgenommen hat, und um Umsetzung/Bearbeitung der Thematik gebeten hat. Von dort hat sie über Herrn Eichner die Information erhalten, dass die Zuständigkeit auf die DB Station & Service übergegangen ist, und die Stadt hier nicht mehr zuständig sei. Daraufhin hat Frau Habiger Kontakt zu Herrn Grein von DB Station & Service aufgenommen, und von ihm ebenfalls die Aussage bekommen, dass aufgrund der Vorgaben des kommunalen Baurechts und diverser weiterer rechtlicher Vorgaben keine Sitzplätze in der Bahnhofsvorhalle untergebracht werden können. Er hat dieses Thema dann auch noch einmal in einem Gespräch mit der Projektleitung der Stadt Wuppertal erörtert, und von dort die Information erhalten, dass auch ein separater Antrag für die Schaffung von Sitzplätzen nicht genehmigungsfähig wäre.

Klappe zu, Affe tot. Es spricht für den Seniorenbeirat, dass er sich mit dieser Auskunft parteiübergreifend nicht abfinden wollte. Und siehe da: Nachdem der FDP-Bundestagsabgeordnete Manfred Todtenhausen den schon im Aus liegenden Ball aufnahm und an das Bundesverkehrsministerium zurückspielte, sieht die Sache plötzlich so aus: „Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG existieren keine baulichen Vorschriften aus eisenbahnrechtlicher Sicht, die das Aufstellen von Sitzgelegenheiten verhindern. Die Bahn AG habe außerdem mitgeteilt, dass der Wunsch nach Sitzgelegenheiten nachvollziehbar sei. Deshalb werde es am 7. Februar einen Termin geben, bei dem man klären will, ob und unter welchen Voraussetzungen Sitzgelegenheiten nachgerüstet werden können.“

Versteht das jemand? Ich jedenfalls nicht. Und es sollte einem zu denken geben im Hinblick darauf, was noch so alles schief gehen könnte in der Kommunikation zwischen Bahn und Stadt. Mit der Suche nach einem Investor für das Hauptbahnhofsgebäude ist da ja noch ein Projekt in der Pipeline, bei dem beide in einem Boot sitzen. Und das hat noch eine ganz andere Dimension als die Aufstellung ein paar sehr wünschenswerter Bänke in der Mall ...