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Kommentar zur Lage der Wuppertaler Bühnen: Eiskalt abgewickelt

Kommentar zur Lage der Wuppertaler Bühnen : Eiskalt abgewickelt

Mit dem Entschluss zur Deckelung des Zuschusses hat die Stadt bereits 2001 das Todesurteil der Bühnen unterschrieben und ein Sterben auf Raten verordnet. Die Frage war fortan also nicht ob, sondern nur noch wann der Tod eintreten würde.

Jetzt hat Enno Schaarwächter eine klare Prognose abgegeben: Bleibt alles wie es ist, ist in fünf Jahren Schluss — Patient tot.

Noch ist das Wort "Schließung" im Zusammenhang mit dem Sprechtheater offiziell nicht zu vernehmen. Vielmehr fordert die Stadt ein "Restrukturierungskonzept" vom Aufsichtsrat. Doch klar ist: Der Mangel, den Enno Schaarwächter verwaltet, hat viel zu wenig Substanz, um überhaupt eine andere Struktur zu ermöglichen, die weitere Einsparungen schafft, ohne sich selbst zur endgültigen künstlerischen Bedeutungslosigkeit zu verdammen.

Klingt paradox? Nicht unbedingt. Es gab in all den Jahren genug Gelegenheit, sich entweder zum Stadttheater als Ort der gesellschaftlichen Diskussion zu bekennen und die bedrohliche Deckelung aufzuheben — oder aber einen grausamen Schnitt zu tun und eine Sparte zu schließen. Beides ist nicht geschehen. Mit der Folge, dass jetzt alle Sparten am Boden liegen und die Stadt als GmbH-Gesellschafter diese unpopuläre Aufgabe dem Aufsichtsrat überlässt. Sie kann sich öffentlich — und das vor der OB-Wahl — zum Drei-Sparten-Haus bekennen. Den Schwarzen Peter haben andere. Perfide? Ja, durchaus.

Ingrid Pfeiffer (FDP), Mitglied des Aufsichtsrates, hat dies für sich vehement abgelehnt: "Das Wort ,Schließung' werden Sie von mir nicht hören." Sie sieht keine andere Möglichkeit, als die Deckelung des Zuschusses aufzuheben und mittelfristig über eine andere Geschäftsform nachzudenken. Man müsse nach Kooperationspartnern suchen, Stiftungen ins Boot holen, Bund und Land in die Verpflichtung nehmen. Da seien die Herren Slawig, Jung und Nocke gefragt.

Wenn die Stadt es mit ihrem Bekenntnis zur Kultur und zum Theater ernst meint, dann täte sie gut daran, sich aktiv um Lösungen zu bemühen und Ideen zu entwickeln, damit die Zuschauer, aber auch Musiker, Sänger und Schauspieler nicht das Gefühl haben, sie würden eiskalt abgewickelt.
Ich persönlich möchte nicht in einer Stadt ohne Theater leben, in der Konsum die einzig bestimmende Maxime ist. In der es keinen Ort für gesellschaftlichen Diskurs gibt. Kulturlos. Seelenlos.