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Kommentar zum langsam beginnenden OB-Wahlkampf: Fällt die letzte CDU-Großstadt?

Kommentar zum langsam beginnenden OB-Wahlkampf : Fällt die letzte CDU-Großstadt?

Ob er ihn gar vergessen hatte? Kein (schon gar kein böses) Wort verlor OB Peter Jung auf dem CDU-Nominierungsparteitag über seinen SPD-Herausforderer Mucke. Jenen "Andreas", den er im Rathaus auch schon mal umarmt, wenn er ihm über den Weg läuft.

Wahlkämpfe innerhalb befreundeter politischer Lager haben eben ihre eigenen Gesetze.

Dabei sollte niemand den beiden Kontrahenten mangelnden Siegeswillen vorwerfen. Für Peter Jung beispielsweise geht es nicht nur darum, seinen nach eigenem Bekunden "Traumjob" zu behalten. Er will und soll beweisen, dass die CDU noch Großstadt kann. Schließlich ist Wuppertal mittlerweile die größte Stadt Deutschlands mit einem Oberbürgermeister der Union.

Da drängt sich die unaufgeregte Merkel-Strategie als Erfolgsrezept förmlich auf. Entsprechend verkündete er am Donnerstag, jetzt erst mal wieder regieren zu wollen, bevor es nach der Sommerpause in einen kurzen, kompakten Infight geht. Der Terminkalender ließe auch nicht viel anderes zu — schließlich vertritt Jung zusätzlich kommunale Interessen als stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetages und als Präsident des NRW-Städtetages. Und muss sich neben allen anderen Aufgaben zusätzlich um die Folgen seiner verfehlten kulturpolitischen Rochaden kümmern.

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Derweil begibt sich der hauptberufliche "Quartier-Manager" Andreas Mucke genau dorthin. In die zahlreichen Kleinquartiere, wo er in Kärrner-Manier sein kaum geschmolzenes Bekanntheits-Defizit aufarbeiten will. Das passt auch, denn bislang fühlt sich Mucke erkennbar in kleinen Runden wohler und wirkt obendrein gewinnender als auf der großen Bühne. Wenn der hochtalentierte TiC-Akteur dort aber selbst einige programmatische Slogans vom Skript ablesen muss, fragt man sich schon, ob das zu einem selbst ernannten "politischen Oberbürgermeister" passt.

Und der dritte Mann? Den die Initiative "Wuppertal 3.0" im Mai präsentiert und den Grüne und FDP unterstützen wollen. Wirft Carsten Gerhardt seinen Hut in den Ring? Ist der OB-Posten auch sein "Traumjob" — will er als Quereinsteiger tagtäglich gegen den ausgebufften Polit- und Verwaltungsapparat kämpfen? Er wirkte zuletzt angesichts dieser Aussichten sehr nachdenklich. Andererseits: Günstige Perspektiven gab es für sein Trassenprojekt anfangs auch nicht ...
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