Nun ja, ich habe den Artikel gelesen, nicht das Buch – zugegeben, aber ich mach‘ mir so meine Gedanken. Damals, als Herr Schneidewind ins Amt kam, war ich Betriebsleiter des Gebäudemanagements der Stadt Wuppertal – seit 23 Jahren. Der neue OB hatte sich angekündigt, mich zu besuchen, um mich und meine Nachfolgerin kennenzulernen. Das fand ich gut, er kam zu uns, nicht er lud zu sich ein – sehr positiv.
Die Tür ging auf, ein Mann stürmte herein und der erste Satz wirkte wie „Schiffe versenken“. Noch bevor er saß – „Ich bin ja Deutschlands herausragendster Klimaforscher“. „Treffer - versenkt“. Etwas verdutzt sagte ich „Guten Tag erst mal“. Das schien ihn nicht zu stören. Ihn interessierte weder, was das GMW tat, noch, wofür es da war, noch, was in Zukunft zu tun sei. Nein, ihn interessierte eine unglaubliche Selbstdarstellung.
Sein Interesse galt nur dem Senden, nicht dem Empfangen. Wie der Betrieb, bei dem er zu Gast war, arbeitete und wie er dabei eine Rolle spielen könnte, also wo er eingreifen und steuern könnte, war kein Thema. Wie das so ist mit dem ersten Eindruck, er hat sich dann leider bestätigt.
Ich war 30 Jahre lang Chef und Vorgesetzter. Dabei habe ich gelernt, dass man das nicht ist, weil man es ist, nein, man muss es sich erarbeiten, muss Menschen für sich und seine Ideen gewinnen und zuhören, um entscheiden zu können. Tut man das nicht, scheitert jeder in dieser Rolle.
Kein OB ist OB nur, weil er gewählt ist. Nein, wenn er die Verwaltung führen will, muss er die Menschen kennen lernen und versuchen, gemeinschaftlich Lösungen zu erarbeiten. Wer das nicht tut, scheitert und muss nach Dienstschluss solche Bücher schreiben. Meine Omma sagte immer, wie du in den Wald hineinrufst, so schallt es heraus.
Wenn er die „Mäh“ als sein größtes Versagen bezeichnet, hat er wohl Recht. Ja, es ist sein Versagen, weil er die Klaviatur der Verwaltung nicht beherrschte, weil er durch seine Art nicht in der Lage war, die Menschen dahin zu bringen, alles zu tun, seine Wünsche zu erfüllen.
Zu lesen aber bleibt „vielfältige Interventionen – nix erreicht“. In der Schule wäre das eine Sechs – tatsächlich erntet er das, was er gesät hat, so einfach kann die Welt sein. Meine Omma sagte auch: „Der Fisch stinkt am Kopp zuerst.“ In diesem Sinne – look at yourself.
Hans-Uwe Flunkert
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