Nicht nur Uwe Schneidewind hat das Amt als Oberbürgermeister von Wuppertal nach seinen Worten „falsch eingeschätzt“, auch die Politiker, die ihn dazu gemacht haben, schätzten Schneidewind vollkommen falsch ein.
Erst jetzt, nachdem er weg ist, wird vielen im Stadtrat klar: Uwe Schneidewind war nicht naiv, wie er sich wohl selber sieht, sondern er ist in erster Linie ein Mensch und Wissenschaftler. Viel mehr, wie er Kommunalpolitiker und „Parteisoldat“ war.
Nun ohne Amt, hat Uwe Schneidewind die Möglichkeit, Bilanz zu ziehen, was er in seinem Buch „Dienstschluss: Herausforderung Kommunalpolitik“ getan hat und er nun auch offen, wie öffentlich in der VHS befreit sagen konnte, was in bewegt. Markant stellt der Ex-OB fest, dass der Stadtrat nicht den Querschnitt der Bevölkerung darstellt und hier Machtpolitik vor Sachpolitik geht. Das haben viele geahnt, aber nicht gewagt es auszusprechen.
Uwe Schneidewind ist zum scharfen Beobachter und Analysten geworden. Was ein Wissenschaftler nun mal kann. Noch im Amt wurde er, auch von mir, bei Treffen mehr am Rad stehend, dazu eher nachdenklich erlebt.
Schneidewind lobt seine Nachfolgerin Miriam Scherff in den höchsten Tönen und sieht sie sogar in den nächsten zehn bis 15 Jahren als eine der prägendsten Oberbürgermeisterinnen dieser Republik. Das ist kein Zufall. Sie hat dieses Talent sicherlich auch von ihrem Vater geerbt. Das macht nicht nur uns Cronenberger stolz, aus deren Mitte sie kommt. Das sollte auch alle Wuppertaler auf bessere Zeiten hoffen lassen. Wozu allerdings auch Geduld gehört.
Matthias Müller
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