Uwe Schneidewind, dessen Buch die Rundschau vor Wochen in mehreren Ausschnitten vorgestellt hatte, nahm in der Politischen Runde kein Blatt vor den Mund. Weder, was besondere Abläufe innerhalb der (längst nicht nur) Wuppertaler Kommunalpolitik betrifft, sondern auch bezüglich seiner eigenen „Verfehlungen“ beziehungsweise Fehleinschätzungen.
„Ich war komplett naiv“, so der Grünen-Politiker und (Transformations-)Wissenschaftler über seine OB-Startphase. Schneidewind beschrieb sich als jemanden, der ein „idealistisches“ Politikverständnis habe. Im Gegensatz zur sehr viel weiter verbreiteten „instrumentellen“ Politikauffassung, die er auch in den Wuppertaler Mehrheitsfraktionen erlebt habe.
Uwe Schneidewind: „Mir war nicht klar, dass die Politik solche Typen wie mich zum Frühstück verspeist.“ Sein Vorwurf: Der Stadtrat spiegele nicht den wirklichen Querschnitt der Bevölkerung – und damit auch nicht deren Wünsche: „Machtpolitik geht viel zu oft vor Sachpolitik.“ Trotzdem – oder gerade deswegen:
Der frühere Stadtchef brach eine Lanze für die „überwiegende Mehrheit von Menschen in der Verwaltung, die Dinge möglich machen, nicht etwa sie verhindern möchten“. Es sei aber unfassbar sowie fast unmöglich zu vermitteln, mit welcher Normenflut die Verwaltung konfrontiert ist: „Normen, Regularien, Vorschriften. Jede für sich ist gut und sinnvoll. In der Häufung führen sie zur Erstickung.“
Auch das gewaltige Problem der (Stadt-)Finanzen sprach Schneidewind an. Er warb für den entsprechenden Erklär-Teil seines Buches: Mit ihm wolle er – weit über Wuppertal hinaus – klarmachen, woher die Verschuldung von Städten kommt. Und wie sie wirkt.
Schneidewind prognostizierte, Wuppertal werde 2035/2040 nur noch die Hälfte des heutigen Geldes und die Hälfte des heutigen Personals haben: „Trotzdem soll das Leben in der Stadt sozial und gerecht funktionieren. Dafür braucht man politische Konzepte. Das ist die Arbeit im Maschinenraum. Das Kümmern an der sichtbaren Oberfläche löst dieses Problem nicht. Ich gebe aber zu, dass ich diese Kümmerer-Ebene vernachlässigt habe.“
In den Blickpunkt rückte der Gast der Politischen Runde den zweiten Teil seines Buches. Dort betont er die Bedeutung der „Inseln des Gelingens als Notwehr gegen das Es-klappt-nicht“. Gerade diese Inseln seien eine große Wuppertal-Stärke. Der 59-Jährige, der seinen Text auch außerhalb Wuppertals als gültig ansieht, nennt den zweiten Buchteil „eine Reisenliebeserklärung an diese Stadt“.
Schneidewind gab ein leidenschaftlich-lautes Plädoyer für die zukunftsweisenden Chancen der BUGA, für Private-Public-Partnership-Modelle vor allem beim Schulbau – und lobte seine Nachfolgerin Miriam Scherff. Sie mache nicht nur jetzt in der Anfangsphase in Sachen Sichtbarkeit alles richtig – im Gegensatz zu ihm. Uwe Schneidewind: „Wuppertal kann unglaublich stolz auf Miriam Scherff sein. Sie bringt alles mit, um in den nächsten zehn bis 15 Jahren eine der prägendsten Oberbürgermeisterinnen dieser Republik zu werden.“
Der Abend – fast ohne kritische Töne aus dem Publikum – endete mit lang anhaltendem, großen Applaus.