Meine Erfahrungen als Berufspendler von Wuppertal nach Düsseldorf lassen nur den Schluss zu, dass ein funktionierender Ersatzverkehr eine reine Illusion ist. Benötige ich im Normalfall fahrplanmäßig zwischen anderthalb und real etwa zwei Stunden für meinen Weg von der Wohnung in Wuppertal Vohwinkel bis zur Arbeitsstelle in der Düsseldorfer Uniklinik und zurück, waren es im Ersatzverkehr etwa vier Stunden.
Diese Stunden teilen sich in Wartezeiten von häufig bis zu 40 Minuten an den Bushaltestellen Sonnborner Ufer und Werstener Dorfstraße sowie in eine wie im Viehtransporter absolvierte Busfahrt, nachdem man sich dann doch noch irgendwie in den Bus gequetscht hat sowie die Fahrtstrecken außerhalb des Ersatzverkehrs.
Zum Glück waren die Busfahrer zwar ortsunkundig und sprachlich nicht zur Verständigung fähig, aber durchweg gute und routinierte Fahrer, die auch die bis an die Frontscheibe gestapelten Fahrgäste sicher an ein Ziel brachten (das aber auch mal eine Sackgasse sein konnte).
Kein Wunder, dass die Autobahn zwischen Wuppertal und Düsseldorf noch voller war als sonst. Ich kenne niemanden mit Zugriff auf ein Auto, der sich diesen Ersatzverkehr als beruflich pendelnder Mensch länger als drei Tage angetan hat. Verschiedene Maßnahmen müssen dringend bei den nächsten Sperrungen umgesetzt werden:
Es muss sich endlich überhaupt jemand zuständig fühlen. Von verschiedenen Mitreisenden sowie aus eigener Erfahrung weiß ich, dass angeblich immer jemand anders verantwortlich ist. Die Eurobahn oder National Express erklären, der Ersatzverkehr sei Sache der Bahn. Von dort heißt es dann, die Planungen seien Sache des VRR und der jeweiligen Linienbetreiber. Am Ende wird man dann aber wieder auf die Bahn verwiesen. Wobei es auch bei ausführlicher Recherche fast unmöglich ist, auch nur eine Telefonnummer oder eine Emailadresse für Anliegen rund um den Ersatzverkehr zu finden.
Einen besonders hilfreichen Tipp bekam dabei ein häufig mit mir pendelnder Bekannter. Neben dem Hinweis der eigenen Unzuständigkeit wurde ihm empfohlen, den Ersatzverkehr doch einfach zu weniger frequentierten Zeiten zu nutzen. Er wird es sicher mit seinem Arbeitgeber besprechen, einfach die Arbeitszeiten in seinem Krankenhaus zu verändern.
Wir Betroffene fordern dringend Änderungen und Verbesserungen im Ersatzverkehr. Diese könnte aus meiner Sicht folgende Elemente enthalten:
Es muss auch aus Vohwinkel eine Direktverbindung über die Autobahn nach Düsseldorf mit Stopps an der Werstener Dorfstraße und am Hauptbahnhof geben. Gerade auch in Richtung Wuppertal ist die A 46 vor der Baustelle am Sonnborner Kreuz völlig überlastet und im Berufsverkehr anfällig für Dauerstaus. Bis Vohwinkel geht es da wesentlich schneller, besonders kundenfreundlich (man darf ja mal träumen) wäre natürlich ein Halt auch an Vohwinkel Schwebebahn, da die meisten Menschen weiteren Staus im Tal gerne durch die Nutzung der Schwebebahn aus dem Weg gehen würden.
Die Busse der Linie RE 4 fahren an der Werstener Dorfstraße ohne Halt vorbei. Das spart etwa 30 Sekunden Fahrzeit ein, zwingt die Fahrgäste aber zunächst noch in die Innenstadt zu fahren, im Berufsverkehr oft noch weitere gut 20 Minuten Fahrzeit, und erst dort in die U-Bahn umzusteigen. An der Werstener Dorfstraße gibt es die Möglichkeit auf beide U-Bahn-Stammstrecken zu wechseln und die Reise wesentlich schneller fortzusetzen. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof erreicht man nur eine. Da ist der Fahrzeitgewinn aus den vom RE 4 ausgelassenen Haltepunkte in Barmen, Elberfeld und Vohwinkel ganz schnell wieder dahin.
Die Fahrzielinformation in den Bussen ist eine Katastrophe. Mal stehen nur Angaben wie „Ersatzverkehr“ auf der Zielanzeige. Dann stimmt die Linienangabe nicht oder die Richtungsanzeige nicht mit der Fahrtrichtung überein. Die Fahrer sind aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse auch kaum in der Lage, Auskunft zu erteilen.
Die Häufigkeit der Busse ist für uns Fahrgäste nicht nachvollziehbar. Da fahren im morgendlichen Berufsverkehr mehrere Busse der Linie S 9 nach Vohwinkel an uns vorbei, auch zwei Gelenkbusse dieser Linie unmittelbar hintereinander, besetzt mit jeweils etwa 4 oder 5 Fahrgästen. Auch mehrere Busse der Linie S 8 und des RB 48 kommen vorbei, alle nur sehr spärlich besetzt. Dann kommt endlich auch mal ein Bus der Linie RE 13, kein Gelenkbus und schon vorher sehr gut gefüllt und die inzwischen fast dreistellige Zahl der wartenden Kunden kommt gar nicht mehr komplett mit. Kein Einzelfall, sondern so in beide Richtungen wiederholt erlebt.
Ein besonderer Service für die Fahrgäste soll die App „DB Busradar NRW“ sein. Man kann auf einer Karte live die Bewegung der mit GPS ausgerüsteten Busse verfolgen, so die Ankündigung. Allerdings musste ich feststellen, dass es sich dabei durchweg um virtuelle Busse handelte. An der Haltestelle stehend fuhren Busse an mir vorbei, die ich nicht sehen konnte
Dabei hat es sich auch nicht um eine geringe Verzögerung gehandelt, sondern um Fahrten, die schlicht und ergreifend nicht existiert haben. Die Busse, mit denen ich gefahren bin, haben aber dafür regelmäßig in der App nicht existiert. So eine App mag eine nette Idee sein. Wenn sie aber nicht funktioniert, gehört sie abgeschaltet.
Für Rückfragen stehe ich natürlich auch dieses Mal gerne zur Verfügung. Ich sende dieses Schreiben an einen breiten Verteiler in der Hoffnung, dass es so auch an die bisher nicht zu identifizierenden zuständigen Personen gelangt.
Lorenz Hoffmann-Gaubig
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