Briefe von Leserinnen und Lesern „Größere Transparenz und frühzeitigere Kommunikation“

Wuppertal · Betr.: Baumfällungen auf dem Johannes-Rau-Platz, Baumkontrolleur-Leserbrief vom 21. Februar

Einer der Baumstümpfe vor dem Rathaus.

Foto: Achim Otto

Sehr geehrter Herr Krüsmann,

haben Sie vielen Dank für Ihren ausführlichen und fachlich differenzierten Leserbrief. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Sie die Perspektive eines erfahrenen Baumkontrolleurs eingebracht und insbesondere die Aspekte der Standsicherheit sowie der Wurzelentwicklung so anschaulich erläutert haben.

Ihre Ausführungen zum über Jahrzehnte eingeschränkten Wurzelraum und zu den Folgen von Bodenverdichtung und Sauerstoffmangel machen deutlich, dass die eigentliche Problematik häufig nicht oberirdisch erkennbar ist.

Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist nicht bewusst, dass Bäume über ihre Wurzeln Sauerstoff aufnehmen und dass eine anhaltende Verdichtung des Bodens dazu führen kann, dass sich das Wurzelwerk zurückbildet oder abstirbt. Wenn dadurch die Verankerung im Boden geschwächt wird, kann selbst bei äußerlich vital wirkenden Bäumen ein erhebliches Risiko entstehen.

Auch Ihr Hinweis auf die Größe des Wurzeltellerbereichs bei Bäumen dieser Dimension verdeutlicht, wie komplex die Situation in innerstädtischen Lagen ist. Über Jahrzehnte eingeengte Standorte lassen sich nicht ohne Weiteres nachträglich korrigieren. Dass eine Umpflanzung solcher Bäume keine realistische Option darstellt, ist ein wichtiger fachlicher Punkt, der in der öffentlichen Diskussion oftmals unterschätzt wird. Ebenso ist der Zusammenhang zwischen Belaubung und deutlich erhöhter Windlast vielen Menschen nicht präsent.

Unser Anliegen als Vorstand war und ist es jedoch nicht, fachliche Expertise grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielmehr haben wir eine größere Transparenz und frühzeitigere Kommunikation gegenüber der Bürgerschaft gefordert. Wir erleben in Gesprächen, Zuschriften und Diskussionen ein großes Interesse der Bürgerinnen und Bürger daran, zu verstehen, warum Bäume gefällt werden und welche konkreten Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben.

Gerade an einem Ort wie dem Johannes-Rau-Platz, der für viele Menschen mit persönlichen Erinnerungen, Aufenthalten und Begegnungen verbunden ist, ist die emotionale Bindung besonders stark. Wenn an einem solchen zentralen und identitätsstiftenden Platz mehrere Bäume weichen müssen, entsteht hoher Informationsbedarf.

Die Menschen möchten nachvollziehen können, weshalb es keine Alternative gab, welche Risiken konkret bestanden und wie die Entscheidung fachlich begründet wurde. Eine verständlich aufbereitete Darstellung der Gutachten und der festgestellten Schäden kann hier wesentlich dazu beitragen, Akzeptanz zu schaffen und Unsicherheiten abzubauen.

Wir sind überzeugt, dass Transparenz und fachliche Sorgfalt einander nicht ausschließen, sondern ergänzen. Je klarer Entscheidungsgrundlagen kommuniziert werden, desto eher gelingt es, die Bevölkerung mitzunehmen.

Besonders begrüßen wir Ihre Betonung, bei Neupflanzungen die Standortbedingungen von Beginn an ausreichend zu berücksichtigen. Großzügig bemessener Wurzelraum, geeignete Substrate, Schutz vor Verdichtung und eine langfristig gedachte Planung sind entscheidend, um die Lebensdauer und Stabilität neuer Bäume zu sichern.

Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, Sicherheit, Transparenz und nachhaltigen Baumerhalt miteinander zu verbinden. Wir hoffen, dass der konstruktive Austausch zwischen Fachleuten, Stadtverwaltung und Bürgerschaft weitergeführt wird.

Jan Hendrik Wegermann – für den Vorstand des Vereins „Zukunft und Natur Wuppertal“

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