„Arien“ von Pina: Ein sanfter Ruhepol

„Arien“ von Pina : Ein sanfter Ruhepol

Es ist die allerwundersamste Liebesgeschichte, die Pina Bausch im Tanzabend „Arien“ aus dem Jahr 1979 erzählt: die Begegnung von Tänzerin und Flusspferd ...

Schwerfällig trottet das lebensgroße Tier aus dem Nirgendwo auf die Bühne, die Ausstatter Rolf Borzik genial unter Wasser gesetzt hat. Eine surreale Fläche, die den Tänzerinnen und Tänzern gleichsam den festen Boden unter den Füßen wegzieht, sie für zwei Stunden in einen Ausnahmezustand versetzt, dessen hysterische Fröhlichkeit jederzeit in Verzweiflung umzukippen droht. Einst hat Josephine Ann Endicott die tieftraurige Liaison zwischen Mensch und Tier getanzt, jetzt (wie schon bei der letzten Aufführungsserie vor zwei Jahren) ist es Breanna O’Mara, ein ganz anderer Typ, aber ihr gelingt das großartig, wie überhaupt die Neueinstudierung mit verjüngtem Ensemble ausgezeichnet funktioniert. Zwischen nur scheinbar harmlosen Kinderspielen (meist solche, bei denen jemand ausscheidet) und überdrehten Verkleidungsorgien dominieren zu getragener Klaviermusik von Beethoven und Schumann die melancholischen Momente, und im milden Dämmerlicht entstehen durch die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche immer wieder Bilder von schmerzlicher Schönheit. Wäre da nicht die stoische Ruhe des Flusspferdes, diese Welt wäre wohl nicht zu ertragen.

Viermal war der auch 40 Jahre nach der Uraufführung ungemein berührende Tanzabend am vergangenen Wochenende im Opernhaus zu sehen. Schon am Freitag geht es mit dem nächsten Pina-Bausch-Stück weiter: Dann steht „Palermo, Palermo“ aus dem Jahr 1989 auf dem Programm.

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