Das Platzen des Traumes

Das Platzen des Traumes

Ist Krieg human, wenn ihn Maschinen führen? Tötet man dann menschlicher? Das Theaterstück "Im Schatten kalter Sterne" von Christoph Nußbaumeder behandelt Fragen der Ethik — nicht nur in der Technik.

Jetzt gab's die Premiere im Opernhaus.

Der Rüstungskonzern Bimini kauft ein Start-up auf. Der junge Spezialist für künstliche Intelligenz, Dr. Wolfgang Anders (als labiler Nerd sehr glaubwürdig: Martin Petschan), soll nun seine Mini-Drohnen "zur Verteidigung" entwickeln. Denn die können gezielt Menschen umbringen — natürlich nur die Bösen. So jedenfalls promoten es Firmenchef Schroth (Stefan Walz spielt ihn souverän als fiesen Manipulator mit SM-Faible) und PR-Referentin Schäfer (Julia Reznik).

Wolfgang will diese Lüge glauben, ermöglicht ihm die neue Anstellung ja das Luxusleben, das er sich immer gewünscht hat. Dass sein Vater (in zwei Rollen: Miko Greza, als Mutter Lena Vogt), ein einfacher Arbeiter, bei Bimini vor Jahren wegrationalisiert wurde, stört ihn nicht. Genauso wenig wollte er die Kritik seines besten Freundes (Alexander Peiler) hören.

Erst als er vom mysteriösen Tod dieses Freundes erfährt, er immer mehr von seinem Kollegen (Konstantin Rickert) bespitzelt wird und seine Freundin, die ehemalige Escort-Dame Milena (Julia Meier), ihn verlässt, denkt Wolfgang über sein Tun nach. Der Konflikt zwischen seinem Traum von (s)einer besseren Welt und dem, was seine Technik wirklich bewirkt, nämlich Krieg und Tod, bringen ihn um den Verstand.

Aus 30 Szenen setzt sich "Im Schatten kalter Sterne" zusammen. Sie gehen zum Teil nahtlos ineinander über. Man sollte die Handlung grob kennen, um ihr folgen zu können. Regisseurin Esther Hattenbach und Bühnenbildnerin Marlene Lockemann geben dem Ganzen einen Rahmen. Die Bühne, eine Art Torbogen oder Kubus mit Glaskästen links und rechts, verwandelt sich schnell vom modernen Bürogebäude in eine Bar, eine Berglandschaft, eine Villa und sogar in die Schwebebahn. Möglich macht dies ein künstlerisch wertvolles Video von Kathrin Dworatzek. Es läuft auf großen Monitoren im Hintergrund und an der Decke des Kubus.

Allerdings sind die Bilder so fesselnd, dass sie stellenweise von der Bühnenhandlung ablenken. Das ist ein guter Einfall der Regie, aber fürs Publikum fordernd. Denn diese Vermischung von Realität und Vision ist genau das, was in Wolfgangs Kopf vor sich geht. Und so kann das Ende nur ein Zerplatzen seines Traums sein.

Der Autor des Stücks war eigens zur Premiere nach Wuppertal gekommen. Christoph Nußbaumeder konnte sich davon überzeugen, dass die Leistungen des Schauspiel-Ensembles für einen spannenden Theaterabend sorgten. Das altersgemischte Publikum dankte allen Beteiligten mit freundlichem Applaus.

Die nächsten Vorstellungen: Mittwoch, 27. Februar 2019, 19.30 Uhr, Samstag, 2. März 2019, 19.30 Uhr, Samstag, 9. März 2019, 19.30 Uhr, Sonntag, 7. April 2019, 16 Uhr und Sonntag, 28. April 2019, um 18 Uhr.

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