Rezension des Stückes "Die 12 Geschworenen"

„Die 12 Geschworenen“ : Geschworene sind Gefangene

Eine Gruppe Männer soll über das Leben eines Jugendlichen entscheiden. In einer fensterlosen Kammer sollen „Die zwölf Geschworenen“ zu einer einstimmigen Lösung gelangen. Die Beratungen eskalieren.

Das Stück, das der Amerikaner Reginald Rose 1954 fürs Fernsehen geschrieben hat, ist heute noch topaktuell. Das Taltontheater (TTT) an der Wiesenstraße 118 präsentiert das Kammerspiel befreit von einem Bühnenbild. Regisseur Jens Kalkhorst setzt allein auf die zwölf Darsteller sowie eine Choreografie des Stühlerückens – und überzeugt damit das Premierenpublikum.

Der weiße Raum, in dem die Geschworenen sich beraten sollen, ist so eng und flach, dass zwei der Männer beinahe die Decke berühren. Zwölf Stühle und einige Requisiten sind die einzigen Dinge, die diese klaustrophobische Atmosphäre ein wenig durchbrechen. Es gibt kein Fenster, keine Tür. Die Geschworenen, die darüber urteilen sollen, ob ein 19-Jähriger seinen Vater ermordet hat, sind selbst Gefangene.

Sechs Tage hat die Verhandlung gedauert. Alle wollen nur noch nach Hause und bis auf einen sind alle bereit, ein schnelles, unreflektiertes Urteil zu fällen. Doch hinter der Entscheidung der Männer, den Angeklagten auf den elektrischen Stuhl zu schicken, müssen alle stehen. Mit Drohungen, Beleidigungen und tätlichen Angriffen soll der Zweifler umgestimmt werden.

Die jeweilige Stimmung der Gruppe macht der Regisseur dadurch deutlich, wie die Stühle stehen. Es gibt Kreise, die einen ein- oder ausschließen, Fronten gegen jemanden oder offene Gruppen, in denen Argumente ausgetauscht und angehört werden. Doch Sachlichkeit ist selten in dieser Runde. Zwölf Männer, zwölf unterschiedliche Charaktere: Es gibt Rassisten, Mitläufer, Ungebildete, solche, die darauf setzen, dass der Rechtsstaat es schon richtet – ohne zu merken, dass sie ein Teil davon sind –, Nachdenkliche, Feiglinge und Strategen.

Die Darsteller arbeiten das prima heraus. Moritz Stursberg legt den Zweifler als ruhigen Typen an. Sein Gegenspieler ist Patrick Schiefer, der einen Choleriker und Sadisten verkörpert. Er hat in diesem Stück die schwierigste Rolle, denn sie kippt komplett: vom Rädelsführer zum Verlierer. Schiefer spielt das beeindruckend ausdrucksstark.

Fazit: Es lohnt sich, „Die zwölf Geschworenen“ im TTT anzusehen. Das Stück und das Ensemble sorgen gemeinsam für einen spannenden Theaterabend, der noch lange nachhallt.

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