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Kommentar zum Thema Sicherheit (nicht nur) in Oberbarmen: Bürger wollen keine Worthülsen hören

Kommentar zum Thema Sicherheit (nicht nur) in Oberbarmen : Bürger wollen keine Worthülsen hören

Der Berliner Platz hat, wie Oberbarmen, einen "schlechten Ruf". Da hat Polizeiinspektions-Chef Wolfgang Lonken Recht. Ob er auch ein krimineller Schwerpunkt oder gar "Brennpunkt" ist, scheint mir nicht so eindeutig, denn Rechtsverstöße finden oft in der Umgebung statt

Vor allem, weil dann die Menschen verantwortlich gemacht werden sollen, die sich tagsüber mit anderen zur gemeinsamen Freizeit treffen. Selten sind sie wohnungslos, oft leben sie ohne Familie allein und suchen das Miteinander mit Gleichgesinnten. Wenn von der Umgestaltung des Stadtplatzes geredet wird, haben sie Angst vor Ausgrenzung. Doch: Irgendwo müssen sie sich treffen können.

Überall in Deutschland treiben gefühlte oder wirkliche Unsicherheit und Überfremdung Menschen aller Generationen in die Öffentlichkeit, wie die Veranstaltung in der "Färberei" klar gezeigt hat. Deshalb steht hier der Berliner Platz stellvertretend für andere Orte im Tal. Die Bürger wollen sich nicht durch Worthülsen beruhigen lassen, sondern machen Druck. Dabei sind der Wuppertaler Polizei die Hände gebunden. Mehr Personal gibt es nicht. Nachdem die Landesregierung in den vergangenen Jahren bei der Polizei kräftig gespart hat, haben das Kölner Silvester-Ereignis, Einbrecherbanden und Vorfälle rund um Flüchtlinge und Rechtsradikalismus zu einer Kehrtwende geführt. Dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die über die Probleme in Oberbarmen informiert wurde, die baldige Schuldenbremse einhalten und Pensionsansprüche von Beamten senken muss, mögen wichtige Gründe für den Tritt auf die Ausgabenbremse sein. Doch allein die Androhung einer "Bürgerwehr" als Reaktion auf zunehmende Bürger-Ohnmacht lässt alle Alarmglocken schrillen. Noch wehren sich viele Menschen dagegen... Bund, Land und Kommune sind für ihre Bürger verantwortlich! Die Bürger —und 2017 zweifachen Wähler — können und wollen sich nicht selbst schützen. Allein Polizeipräsenz, effektivere Verbrecherverfolgung und mehr Aufklärung können das Problem lösen. Wenn mehr Geld nicht zur Verfügung steht, muss im Landeshaushalt umgeschichtet werden.

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Bemerkenswert ist, dass Kritik an der Polizei zu erwarten war, aber die Wuppertaler Landtagsabgeordneten durch Abwesenheit glänzten. Einen Tag später ging die CDU mit einer umfangreichen, pauschalen Forderung nach mehr Polizeipersonal an die Öffentlichkeit...