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Kommentar zur weiteren Entwicklung des Seilbahnprojekts: Der Traum vom Schweben

Kommentar zur weiteren Entwicklung des Seilbahnprojekts : Der Traum vom Schweben

Diese Seilbahn vom Bahnhof zur Universität, weiter zum Schulzentrum Süd — sie war die wohl elektrisierendste Vision beim Brainstorming für das engagierte Programm "Wuppertal 2025".

Schweben nicht nur durch die Talachse, sondern auf die Höhen, in attraktiven Gondeln und in kurzen Taktfolgen, umweltfreundlich und (nach 100 Jahren mal wieder) einen urbanen Personennahverkehrs-Coup setzend. Wer will da schon nein sagen?

Nun, da gibt es durchaus etliche betroffene Anlieger, die sich nicht in den Kochtopf gucken lassen und stattdessen den Befürwortern in die Suppe spucken wollen. Mit einer nachvollziehbaren, gleichwohl selbstbezogenen Haltung, die sie teilweise mit wilden Berechnungen zum ökologischen Mehr- oder Weniger-Wert der Südhöhenschwebebahn zu unterfüttern versuchen. Letztlich legen sie damit tatsächlich ein Manko der Projekt-Planung offen, das von Anfang links liegen gelassen wurde, wie ein Wissenschaftler des Wuppertal-Instituts jetzt aufzeigt. Nämlich die nie gestellte Frage, inwieweit der Transport der Studenten vom Bahnhof zur Uni ein gravierendes Problem darstellt und mit welchen unterschiedlichen Möglichkeiten man dies gegebenenfalls bekämpfen kann.

Von unserer Redaktionsfenstern aus sehen wir, wie während des Semesters Heerscharen über die Südbrücke in Richtung Kleeblatt strömen. Wir sehen aber auch, wie sie von Bussen aufgesogen werden und wie sich der Spuk dank vieler Einsatzfahrzeuge nach einer Weile wieder beruhigt. An anderen Bushaltestellen im Stadtgebiet ist der Andrang durchaus vergleichbar. Während der monatelangen Semesterferien ist die Lage sogar regelrecht entspannt. Und wo wir schon bei zukunftsträchtigen Entwicklungen sind: Mit Wasserstoff angetriebene Bussen wäre die Ökobilanz in einer vergleichbaren Zeitspanne am Ende auch deutlich zu verbessern.

Dennoch hat das aufwändige Bürgergutachten soeben ein klares Votum für die Seilbahn erarbeitet. Möglicherweise nicht im Angesicht aller verfügbaren oder noch zu erhebenden Fakten. Vielleicht aber auch auch aus dem emotionalen Empfinden heraus, das annähernd alle Politiker und Multiplikatoren antreibt: Sie unterliegen schlicht der Faszination, die von dieser Idee ausgeht. Vom Gedanken an den Schub, den sie für die Stadtentwicklung und das Stadtmarketing mit sich bringt. Genau an dieser aktuell so wichtigen Achse vom neuen Döppersberg zur boomenden Universität.

Auch ich war und bin aus eben diesen Gründen von dem Seilbahn-Projekt begeistert. Und ärgere mich über die kleinkarierten Nörgler, die im geplanten Trassenverlauf wohnen. Aber es gibt in diesem Verfahren auch objektive Bestandteile, die zum Beispiel vom Zuschuss gebenden Verkehrsverbund zu bewerten sind. Und ohne dessen 90 Prozent wird nicht geschwebt.