ESC-Blog des Wuppertaler Musikexperten Peter Bergener Namen sind beim ESC nur Schall und Rauch

Wuppertal / Wien · Das 1. Semifinale des ESC 2026 in Wien war ein super Auftakt für die ESC-Woche. Zehn von 15 Ländern von den 15 haben den Finaleinzug für Samstag geschafft.

Lion Ceccah aus Litauen.

Foto: Peter Bergener

Nach einer sehr spannenden Verlesung wissen wir nun, dass Moldau, Schweden, Kroatien, Griechenland, Finnland, Israel, Belgien, Litauen, Polen und Serbien weiter um den ESC-Sieg 2026 kämpfen dürfen. Ausgeschieden sind damit Portugal, Georgien, Montenegro, Estland und San Marino.

Doch vielleicht muss ich einmal Stellung dazu nehmen, dass alle glauben, dass, wenn ein „Superstar“ beim ESC auftritt, auch schon fast damit den Sieg in der Tasche hat. Dies ist auf keinen Fall sicher, denn Namen sind in der Eurovision nur Schall und Rauch, ob Weltstar oder nicht. (Bilder)

Bilder: Der „türkise Teppich“ beim ESC 2026 in Wien
12 Bilder

Der „türkise Teppich“ beim ESC 2026

12 Bilder
Foto: Peter Bergener

Ja, in der Tat ist Boy George der größte „Superstar“ des Song Contests 2026, aber lieferte dafür auch den kürzesten Auftritt! Boy George, der in den 80er Jahren mit seiner Kultband „Culture Club“ und Hits wie „Do You Really Want To Hurt Me“ oder „Karma Chameleon“ weltweit bekannt wurde, ging als Duett-Partner von Senhit für San Marino an den Start.

Doch wer da bei der Startnummer 13 nur kurz mal weggegangen ist, hat Boy George vielleicht gar nicht gesehen. Erst zum Ende des Liedes tauchte er auf einem Thron auf, trat dann zu seiner Duett-Partnerin. Insgesamt war er nicht einmal eine Minute zu sehen, sang nur wenige Zeilen.

Der Auftritt löste bei vielen Zuschauern gemischte Reaktionen aus. „Das ist so kitschig und muss ins Finale", andere erinnerten sich an die 80er und freuten sich, dass er dabei ist. Und andere sagten „Was für ein schrecklicher Klamauk“ und glauben, dass er sich keinen Gefallen damit getan hat.

Für einen jedoch ist es eine großartige Promotion – und zwar für den ESC, denn wie gesagt, wenn ein Weltstar dabei ist, schreibt auch die ganze Welt darüber. Und das gibt dem ESC einen mega Hype.

Das war schon immer so und gab es zig Mal in der Eurovision. So zum Beispiel 1977, als Deutschland von „Silver Convention“ mit „Telegram“ vertreten wurde, die zu jener Zeit weltweit bekannt waren und sogar Platz eins in Amerika mit „Fly, Robin, Fly“ hatten. Am Ende erreichten sie den achten Platz.

Bonnie Tyler und Peter Bergener.

Foto: Peter Bergener

Nicht minder das auch in ganz Europa bekannte Duo „Baccara“: Es vertrat Luxemburg 1978 und erreichten densiebten Platz. Vielleicht noch ein Beispiel: Bonnie Tyler vertrat 2013 das Vereinigte Königreich. Der Weltstar wurde im Vorfeld hochgelobt und alle schrieben darüber, doch zum Schluss landete die weltbekannte walisische Rockröhre mit dem Song „Believe in me“ nur auf einem enttäuschten 19. Platz von 26 Teilnehmern.

Ja, die Eurovision hat ihre eigenen Gesetze. Da kann man nicht planen! Einfach genießen und überraschen lassen. Bestes Beispiel ist Litauen gewesen, das im Vorfeld von Vielen gar nicht so beachtet wurde. Der aus Vilnius stammende Lion Ceccah ist ein Bühnenkünstler, Performer, Songwriter, Verfechter der Drag-Kultur und Spezialist für Musicaltheater. Er schaffte mit seinem außergewöhnlichen Song „Solo quiero mas“ und künstlerischen Performance den Finaleinzug.

Lassen wir uns mal überraschen, was der ESC noch so alles mit sich bringt. Ich bin so gespannt auf alles, was passiert. Musikalische Grüße aus Wien sendet der Euro-Music-Peter!