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Kritik an Wuppertaler OB-Kandidat Schneidewind wegen Veröffentlichung

VVN-Kritik an OB-Kandidat : Schneidewind: „Werde immer wieder intensiv abwägen“

Die Wuppertaler Sektion der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN–BdA) kritisiert Uwe Schneidewind, den OB-Kandidaten von CDU und Grünen, scharf für die Veröffentlichung eines Aufsatzes in einer Publikation der Ludwig-Erhardt-Stiftung.

Diese Stiftung mit Sitz in Bonn wurde 1967 durch Altbundeskanzler Ludwig Erhard als gemeinnütziger Verein gegründet. Ihr Ziel, so heißt es auf der Stiftungs-Homepage, „ist eine freiheitliche Ordnung zur Sicherung menschenwürdiger Lebensformen“. So weit, so gut. Aber: Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist seit 2014 der ehemalige „Wirtschaftswoche“-Chefredakteur Roland Tichy – und der betreibt „Tichys Einblick“, eine Netz-Plattform plus gleichnamigem Magazin. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) heißt es dazu: „Kritiker werfen der Seite vor, sie schreibe rechtspopulistisch.“

Der VVN-BdA fährt schweres Geschütz auf: „Roland Tichy ist der bekannteste rechte Journalist in Deutschland. Seine berüchtigtste Position ist sein Verständnis für die Demonstrierenden bei ‚Pegida’. Anfang 2017 musste er als Herausgeber von Xing News zurücktreten, weil er einen Artikel eines Gastautors mit dem Titel ‚Warum Sie mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollten’ zur Veröffentlichung freigeben hatte. Trotzdem konnte er wenige Tage später beim Neujahrsempfang der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid 2017 unwidersprochen als Hauptredner vor den Eliten des Bergischen Landes auftreten.“ An die Adresse von Uwe Schneidewind appelliert der VVN: „Beziehen Sie unmissverständlich Position gegen die rechten Ansichten Herrn Tichys! Ziehen Sie ihren Beitrag zurück; lassen Sie die weitere Veröffentlichung durch die Ludwig-Erhardt-Stiftung sperren. Machen Sie auf diesem Weg deutlich, dass Sie die Kontakte zu den Rechten abbrechen!“

Von der Rundschau um eine Stellungnahme zu den VVN-Vorwürfen gebeten, äußert sich Uwe Schneidewind so: „Ich habe tatsächlich in einer von Roland Tichy herausgegebenen Publikation der Ludwig-Erhard-Stiftung zum Thema ‚Marktwirtschaft und Klimaschutz’ einen Aufsatz veröffentlicht. In dieser Publikation finden sich viele weitere Aufsätze etablierter Ökonomen sowie anerkannter Umweltforscher.“ Er habe sich, so Schneidewind weiter, zu der Veröffentlichung entschieden, um „einen klaren Akzent gegen Klimaskepsis zu setzen“. Dies habe er, „ähnlich wie die vielen anderen seriösen Autoren in dieser Publikation abgewogen gegen die problematische Rolle, die der Herausgeber Roland Tichy spielt“.

Uwe Schneidewind lässt keinen Zweifel: „Mit der Publikation unterstütze ich in keiner Weise die Ansichten von Herrn Tichy – ganz im Gegenteil!“ Schneidewind nimmt auch Stellung zur heftig geführten Social-Media-Debatte, die seine Veröffentlichung ausgelöst hat: „Ich habe mein Verständnis geäußert, dass man die Abwägung zwischen einem klaren Gegenstandpunkt in einer Publikation mit einem fragwürdigen Herausgeber versus einem völligen Verzicht auf einen Beitrag bei einer entsprechenden Herausgeberschaft auch anders treffen kann und werde dies bei künftigen Publikationen immer wieder intensiv abwägen.“