Kommentar zur Situation des Café Cosa: Scherben wegfegen, weitermachen

Kommentar zur Situation des Café Cosa : Scherben wegfegen, weitermachen

Strategie und Taktik sind das A und O des Schachspiels. Langfristig planen, Zug um Zug das Spiel aufbauen. Die Strategie des Gegners zu erkennen versuchen. Keine Fehler machen, die ihm den Vorstoß erleichtern.

Schach ist nicht das Spiel spontanen Handelns. Nun ist der Kirchplatz mitten in Elberfeld kein Schachbrett und dennoch seit Monaten Austragungsort für mehr oder weniger geschicktes Taktieren.

Im Fokus der Beteiligten: das Café COSA. Wie wichtig es ist, dem Gegenspieler keinen Raum fürs Vorziehen zu lassen, war zumindest einer Seite nicht bewusst. Und so hat Klaudia Herring-Prestin vergangene Woche einen Zettel an die Scheibe des Kontaktcafés geklebt. Darauf ist von Übergriffen und offenem Drogenkonsum die Rede und dann steht da: "Das wollen wir uns nicht länger gefallen lassen. Für Gäste bleibt das Café COSA daher vom 6. bis 11. August geschlossen.''

Einige Tage später nennt sie sich selbst am Telefon "blauäugig". Denn da hatte der Einzelhandelsverband das Café schon für offiziell gescheitert erklärt. Dabei war die Café-Schließung in den Augen der Einrichtungsleiterin sozialtherapeutisch die absolut richtige Maßnahme. Es ging um ein Zeichen an ihre Kunden, sie sollten in die Schranken gewiesen werden. Während die Tür geschlossen blieb, war die Einrichtung ständig besetzt, der Kontakt mit dem drogenabhängigen Klientel nie abgebrochen. Nur Kaffee und saubere Spritzen, sagt Herring-Prestin, habe es in diesen zwei Tagen nicht gegeben.

Die Café-Kunden wussten das richtig zu deuten. Doch die, denen die Einrichtung ein Dorn im Auge ist, verstanden das Schild als Einladung zum finalen Zug. "Kapitulation vor der seit Jahren im Umfeld der Einrichtung offenbaren Drogenkriminalität", interpretiert Geschäftsführer Ralf Engel den Aushang als Schachmatt für das "Drogencafé".

Dass die Arbeit mit den drogenabhängigen Wuppertalern natürlich nicht gescheitert ist, zeigt, dass das Café seit Montag wieder ganz normal in Betrieb ist. Dass sie gefährdet ist, nicht durch fehlende sozialtherapeutische Kompetenz, sondern durch mangelnde Akzeptanz der Öffentlichkeit, hat die vergangene Woche deutlich gemacht. Um die Öffentlichkeit für den Wert ihrer Arbeit zu sensibilisieren, wäre es ratsam, nicht nur die Kundschaft, sondern auch die anderen Menschen an dem Platz im Auge zu haben. Und sich bewusst zu sein, dass der Umgang mit Drogenabhängigen nicht für alle selbstverständliches Alltagsgeschäft ist. Denn tatsächlich empfinden nicht wenige die Präsenz der Abhängigen am Kirchplatz als beklemmend. Und diese Sorgen muss man ernst nehmen.

Und den Einzelhandel kann man nur bitten, Sorgen zu formulieren, aber die akzeptierende Drogenarbeit nicht per se abzulehnen und zu gefährden. Denn eins ist gewiss: Wer Einrichtungen wie das Café Cosa schachmatt setzt, hat noch lange nicht das Spiel gegen die Abhängigkeit und den Drogenkonsum gewonnen. Kein Café COSA in Elberfeld heißt eben nicht keine Abhängigen in Elberfeld.

Am Kirchplatz muss nun gelten: Scherben wegfegen, weitermachen. Und für Elberfeld bleibt zu hoffen, dass das Café im Elberfelder Zentrum ab Dezember einen weiteren Übergangsstandort findet, bis es an den Wupperpark zieht. Für die drogenabhängigen Menschen, für den Einzelhandel, für alle.

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