Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Notlandung auf der Poststraße

Wuppertal · Neuerdings tauchen ja überall irgendwelche merkwürdigen Ballons und andere Flugobjekte am Himmel auf, die wahlweise von Chinesen oder Außerirdischen stammen sollen. Manche Leute vermuten daher schon wieder, dass uns in Kürze irgendwelche Aliens angreifen und vernichten werden.

 Die Poststraße ...

Die Poststraße ...

Foto: Doris Balke

Woher diese Angst vor extraterrestrischen Aggressoren kommt, verstehe ich gar nicht. Wenn ich mir die Aggressoren bei uns auf der Erde angucke, können die im Weltall eigentlich kaum schlimmer sein.

Und die Filmgeschichte hat uns ja auch gelehrt, dass es sogar ausgesprochen liebenswerte Außerirdische gibt. Denken Sie nur an Meister Yoda, E.T. oder Alf. Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn diese drei intergalaktischen Sympathieträger in Wuppertal notlanden würden. Sagen wir mal auf der Poststraße, wo sie ihre fliegende Untertasse gerade noch rechtzeitig verlassen können, bevor sie in eine abgrundtiefe Baugrube purzelt.

Verwirrt schaut sich das Trio um und beschließt, den Ort ihrer Landung auf dem Planeten Erde Rot-Weiß-Stadt zu nennen, weil überall merkwürdige Absperrzäune in entsprechenden Farben zwischen den Häusern stehen. Die Ureinwohner quetschen sich mit finsteren Gesichtern über zerfurchte Wege dicht gedrängt an ihnen vorbei.

„Hier sieht es ja aus wie bei Marsmännchens unterm Sofa“, wundert sich Alf und kichert gewohnt anarchisch: „Fast so, als ob ich der Baudezernent wäre.“ Dann bekommt er wie immer Hunger und verschwindet in Richtung der Dönerläden, die den Schwerpunkt des Handels auf diesem Planeten auszumachen scheinen. E.T. hebt derweil wie immer den runzligen Finger, murmelt „Nach Hause telefonieren“ und watschelt zu einem der Telekommunikationsstützpunkte, die alle Häuser bevölkern, in denen es keine Döner gibt.

Meister Yoda hat deshalb Zeit für einen Spaziergang durch die Ansiedlung. Dabei fällt sein Blick auf ein Schild, auf dem erklärt wird, was die Schlundlöcher auf den Wegen zu bedeuten haben. „Rohre für heiße Luft sie also verlegen“, denkt er sich, „davon sie ungeheuer viel zu produzieren scheinen ...“

Wenige Gassen weiter entdeckt er höchst merkwürdige Sitzobjekte, die ihn farblich an seinen goldenen Roboterkumpel C3PO erinnern. Aber der war wetterfest und glänzte daher im Gegensatz zu diesen Dingern immer so schön. Trotzdem freut er sich und denkt: „Sehr zuvorkommend das ist.“ Denn es wundert ihn schon ein bisschen, dass die Siedler in Rot-Weiß-Stadt – obschon doch viel größer als er – Bänke mit perfekter Sitzhöhe für 80 Zentimeter große außerirdische Besucher vorhalten.

Zu spät bemerkt er, dass diese Bänke keine Lehnen haben und fällt rückwärts runter. Gestützt auf seinen Krukenstock rappelt er sich wieder auf, flucht „Mist das ist!“ und stellt fest, dass er vom verwitterten Holz der Sitzgelegenheit schwarze Flecken auf der Kutte hat.

E.T. ist jetzt wieder da und hat nicht nach Hause telefoniert, sondern mit einer Hotline, weil die Aktivierung seiner Mobilfunkkarte fehlgeschlagen ist. Alf hat unterdessen drei große Cola getrunken und sucht jetzt in Rot-Weiß-Stadt nach einer öffentlichen Toilette. Seine Gefährten werden ihn deshalb nie wiedersehen.

Meister Yoda schließt betrübt die Augen, wackelt mit den langen Ohren und schüttelt dann bedächtig das schütter behaarte Köpfchen: „Hopfen und Malz verloren hier sind“, sagt er zu E.T., „schnell abhauen wir müssen.“ Den Siedlern ruft er ein letztes „Möge die Macht mit euch sein!“ zu. Und fügt leise nur für sich hinzu: „Aber hexen die auch nicht kann ...“

Bis die Tage!

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