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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Unheimlicher Cheesecake

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Unheimlicher Cheesecake

Wenn ein Multimillionär nur 750 Dollar Steuern zahlt, dann kennt er sich mit Betrug sicher sehr gut aus. Deshalb nehme ich die Vorwürfe von Donald Trump, bei den Wahlen in den USA sei gemogelt worden, sehr ernst.

Zumal man sich ja eigentlich gar nicht vorstellen kann, dass die Mehrheit der Amerikaner einen Präsidenten mit so sympathischer Ausstrahlung nicht mehr haben will. Bei seinen Statements kommt mir Trump nämlich optisch und stimmlich immer so vor, als hätte man Gollum aus „Herr der Ringe“ die Augenlider gestrafft, die Zähne gebleicht und ein blondes Toupet aufgesetzt. Und dieses Kino-Grimusel war ja auch ein großer Publikumsliebling.

Ich frage mich übrigens schon die ganze Zeit, warum in den USA immer noch nach einem mehr als 200 Jahre alten System gewählt wird, bei dem man als Kandidat mit den meisten Stimmen durch einen rätselhaften Mechanismus gerne mal nur Zweiter wird. Für die Fußball-Bundesliga fände ich das durchaus reizvoll, weil dann auch Bayern mit den meisten Punkten nicht zwingend Meister werden müsste. In der Politik ist das jedoch etwas fragwürdig, weshalb die Mehrheit der Amerikaner dieses System schon seit Jahren gerne abgeschafft sehen würde. Aber die Mehrheit hat bei denen ja bekanntlich nicht viel zu sagen ...

Fragen wirft jedoch nicht nur dieses Wahlsystem, sondern auch die mutmaßlich ebenfalls aus den USA stammende neue Shopping-App auf, die meine Frau und ich jetzt auf unseren Handys haben. Die ist im Prinzip sehr nützlich, denn sie kann Folgendes: Ich tippe da im Verlauf der Woche alles ein, was man für den Haushalt so braucht, und meine Frau auch. Die beiden Listen gleichen sich dann irgendwo im Cyberspace ständig miteinander ab und werden zu einer. Wer immer dann von uns beiden einkaufen geht, sieht alles, was gebraucht wird, auf seinem Handy und kann es mitbringen.

In der Praxis führt die App allerdings ein gewisses Eigenleben. Das fiel uns erstmals auf, als plötzlich „Cheesecake“ in der Liste stand. „Cheesecake“ werden sie noch unter seinem früheren Namen „Käsekuchen“ kennne, der allerdings für Hipster nicht mehr hip genug klingt, weshalb er geändert wurde. Wir sind allerdings keine Hipster, sondern Normalster, weshalb wir auch nie „Cheesecake“, sondern höchstens „Käsekuchen“ auf die Liste setzen würden. Folglich hatte diesen Eintrag keiner von uns vorgenommen. Es reifte daher der Verdacht, dass die Liste von interessierten Kreisen wie der internationalen Cheesecake-Industrie im Schulterschluss mit amerikanischen Software-Konzernen heimlich manipuliert werden kann.

Noch unheimlicher wurde es, als meine Frau neulich das Badezimmer putzte und mir zurief, ich müsse mal draußen bleiben, weil der Boden nass sei. Wenige Minuten später tauchten unvermittelt Einkaufsvorschläge in der Liste auf: WC-frisch, Schwamm und Flüssigreiniger! Einzige Erklärung Die App hat uns offensichtlich belauscht. Das ist mir noch unheimlicher als das US-Wahlsystem. Aber im Gegensatz zu Donald Trump kann man die App wenigstens ziemlich einfach deinstallieren ...

Bis die Tage!