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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Manhattan an der Mohrenstraße

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Manhattan an der Mohrenstraße

Von Helmut Schmidt stammt der Satz: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Ehe ich da einen Termin mache, teile ich Ihnen schnell noch meine mit:

Wir schreiben das Jahr 2031. Seit Mitte 2021 plötzlich festgestellt wurde, dass Humor eine Nebenwirkung der Corona-Impfstoffe ist, hat sich Deutschland in eine Spaßrepublik verwandelt. So konnten auch CDU und CSU plötzlich ihr Spitzenkandidaten-Problem mit einem Augenzwinkern lösen: Laschet wurde Kanzler, während Söder als König Markus I. in Deutschland die Regentschaft übernahm. In einer großen Geste ernannte er als erste Amtshandlung Oppositionsführer Olaf Scholz wegen seiner Vorliebe für Bazookas zum Verteidigungsminister.

Als großer Segen erwies sich im Anschluss das königliche Dekret, die Bundesländer wegen Erfolgslosigkeit aufzulösen. Dank der eingesparten Kosten für Verwaltungsapparate in der Größenordnung von Braunkohlebaggern konnten sämtliche Corona-Schulden auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Und neue musste man keine machen, weil das Virus nicht mehr von 32 verschiedenen Coronaschutzverordnungen in 16 Bundesländern erfolgreich vor den Gegenmaßnahmen geschützt wurde.

Der Hauptstadt-Club Bayern München (hatte ich erwähnt, dass König Markus den Regierungssitz verlegte?) wurde der Liebling aller Fußballfans, weil Manager Oliver Kahn erstmals in seinem Leben urplötzlich Humor entwickelte und aus Spaß seine besten Spieler an bedürftige Amateurvereine verschenkte. Es bleibt unvergessen, wie der Wuppertaler SV durch einen lupenreinen Hattrick von Robert Lewandowski 2023 endlich den Drittliga-Aufstieg schaffte.

Auch sonst lief es bei uns im Tal von Jahr zu Jahr besser, obwohl der 2020 gewählte Oberbürgermeister Uwe Schneidewind seine Amtszeit frühzeitig beenden musste: Wegen seiner Kompetenz im Verhindern von Baumfällungen im Nordpark setzten ihn die Vereinten Nationen als kommissarischen Staatspräsidenten von Brasilien ein, um die Brandrodungen am Amazonas zu stoppen. Die Bevölkerung am Zuckerhut hatte zuvor um internationale Hilfe gebeten, als Vorgänger Bolsonaro ankündigte, der Christusstatue in Rio seinen Kopf aufsetzen zu wollen.

Wuppertal war da aber schon längst als Welthauptstadt der Kreislaufwirtschaft berühmt geworden. Große Teile der Bevölkerung konnten zwar „Circular Valley“ weiterhin nicht aussprechen und wussten auch nicht, was das eigentlich ist, nahmen aber mit Humor zur Kenntnis, dass in Heckinghausen immer mehr Bürotürme den Gaskessel überragten: „Die Mohrenstrote is getz in Mänhä-ön“ schmunzeln seitdem die letzten Einheimischen, die des Wuppertaler Dialektes noch mächtig sind.

Gleich nebenan am Münchener Platz, der früher Berliner Platz hieß (König Markus lässt grüßen), trinken 2031 viele Menschen in der Sonne Bier. Die Bilder erinnern an das Jahr 2021, nur dass die Leute statt Schlagringen und Drogen iPads dabei und Nerd-Brillen auf haben.

Und das Bier wird in der längst wieder eröffneten Bremme-Brauerei produziert – natürlich mit nachhaltig angebautem Hopfen von Feldern, die sich um das Bundesgartenschau-Gelände in Vohwinkel gruppieren. Die BUGA 2031 soll ja in wenigen Tagen starten. Zur Eröffnung kommt übrigens König Markus I.

Sie sehen: Alles wird gut – oder vielleicht wenigstens so ähnlich ...

Bis die Tage!