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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Winterschlaf reloaded

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Winterschlaf reloaded

Falls Sie schon immer mal wissen wollten, wie sich ein Leben als Tiefkühlerbse anfühlt, konnten Sie das diese Woche ausprobieren. Sie mussten nur vor die Tür gehen. Selbst Corona-Leugner haben da freiwillig Mund-Nasen-Schutz getragen, damit ihnen selbige nicht abfrieren.

Vor lauter Staunen darüber, dass es im Winter kalt ist, haben die meisten Menschen ganz vergessen, dass wir dieses Wochenende eigentlich auf dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit wären. Aber Karneval fällt dieses Jahr bekanntlich aus. Intime Kenner des närrischen Treibens in Wuppertal sind allerdings der Auffassung, der Unterschied gegenüber sonst wäre kaum spürbar. 2021 werde nur mehr gelacht.

Dabei ist der Wuppertaler Rosensonntagszug ja schon voriges Jahr in letzter Sekunde wegen Sturmtief „Sabine“ abgesagt worden. Dieses Jahr scheitert er an Lockdown „Angela“. Das ist besonders ärgerlich, weil unser Zug selten länger ist als die ihn verfolgende Reinigungskolonne. Deshalb wäre er wahrscheinlich so ziemlich der einzige gewesen, den man komplett hätte gucken könnte, ohne beim Schunkeln am Nebenmann festzufrieren. Und weil ja auch alle Masken getragen hätten, wären bei unserem Zug endlich auch mal alle Zuschauer verkleidet gewesen. Sonst trägt ja die Mehrzahl der ausgelassen feiernden Jecken hier als Kostüm eine Jeans.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich neulich etwas über Funde von Paläoanthropologen gelsen habe. Das sind Wissenschaftler, die sich mit den primitiven Vorfahren des Homo sapiens beschäftigen. Also jetzt nicht mit Donald Trump, sondern mit Leuten aus der Steinzeit, die nicht nur Speere geschnitzt, sondern sogar schon Masken hergestellt haben. Im Eingangsbereich einer Höhle in Südfrankreich hat man 2002 jedenfalls eine gefunden. Ob die Urmenschen sie weggeworfen haben, weil damals auch schon Karneval ausgefallen ist, weiß ich nicht.

Erst in diesen Tagen haben die Forscher übrigens herausgefunden, dass manche Steinzeitmenschen vor rund 500.000 Jahren noch ähnlich wie viele Tiere Winterschlaf gehalten haben. Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn wir wieder damit anfangen. Dann würden wir nicht mehr auf dem Weg zum Einkaufen erfrieren, müssten keine Talkshows mehr gucken und könnten uns auch nicht mit Corona infizieren. Und mal ehrlich: So viel mehr los als im Winterschlaf ist ja im Moment sowieso nicht. In diesem Sinne: Gute Nacht ...

Bis die Tage!