Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Campylobacter zum Fest

Wuppertal · Eigentlich war mein Bedarf an Nachrichten aus dem Robert-Koch-Institut für dieses Jahr längst gedeckt. Aber dann kam auch noch diese hier ...

 Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Das RKI hat in einer Studie nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen einer fiesen Durchfall-Erkrankung und dem Fleischfondue- oder Raclette-Essen an Weihnachten und Silvester gibt. Nachdem uns schon die pelzige Verwandte Omi Kron die Feiertage weitgehend versaut, kriegen wir jetzt auch noch von unseren Lieblings-Festtagsessen Dünnpfiff. Was sind das bloß für Zeiten ...

Raclette und Fondue kommen nach meiner Erfahrung an den Feiertagen bei etwa 110 Prozent der Deutschen auf den Tisch. Wobei einige der Nebenwirkungen dieser lukullischen Do-It-Yourself-Spezialitäten durchaus schon bekannt sind: So enthalten beide erfahrungsgemäß mehr Kalorien als die Milchstraße Sterne. Und vom Raclette wissen wir außerdem, dass es das Raumklima extrem nachteilig beeinflussen kann.

Hat man sich von der Verkäuferin an der Käsetheke zu einem besonders reifen, 43 Jahre alten Appenzeller-Emmentaler überreden lassen, wie ihn die Schweizer auch nicht essen, kann das sogar schon passieren, bevor man das Pfännchen überhaupt unter die Heizspirale geschoben hat. Bis Ostern hat sich der Mief aber meistens wieder verzogen.

Beim Fondue wiederum spießen die Menschen mit den beiden Zinken der Fleischgabeln gerne auch ihren Daumen auf oder holen sich beim mühsamen Schneiden des durch konsequente Übergarung in einen Autoreifen verwandelten Rinderhüftstreifens einen Tennisarm. Mit dem fällt es dann schwer, am nächsten Tag die zahlreichen Fettspritzer von der
Esstischlampe zu entfernen.

Jetzt aber teilt das RKI mit, dass unsere Lieblingsgerichte neben Kalorien und Gestank gerne auch noch Campylobacter-Bakterien enthalten, die im Bäuchlein zu einem sogar meldepflichtigen flotten Otto führen können. Das ist so kurz vor den Feiertagen natürlich ein Tiefschlag, der zarte Gemüter und Mägen dazu veranlassen könnte, generalstabsmäßige Festessensplanungen kurzfristig über den Haufen zu werfen. Die Vorstellung, sich von 80.000 mühsam vertilgten Weihnachtskalorien im Überschalltempo verabschieden zu müssen, ist schließlich nicht sehr verlockend.

Wer sich jedoch die Mühe macht, nicht nur die daraus resultierenden Schock-Überschriften in den Medien, sondern auch den Inhalt der RKI-Mitteilung richtig zu lesen, der wird aufatmen: Im wesentlichen tritt der Dünnpfiff bei Menschen auf, die ihr Raclette oder Fondue mit Hühnchen machen und dabei mit dem Fleisch nicht richtig umgegangen sind. Dass man die rohe Hühnerbrust möglichst nicht ablecken sollte und nach deren Schneiden die Küchengeräte abwaschen muss, gilt allerdings nicht nur an Weihnachten und ist Koch-Grundwissen aus der Lebensmittel-Klippschule.

Übrigens haben die RKI-Forscher ihre Daten im März 2019 erhoben. Warum sie bis jetzt gewartet haben, um uns mit ihrer Nachricht die Feiertage 2021 zu verderben, können Sie bei Gelegenheit mal Robert Wieler fragen. Der freut sich bestimmt auch, wenn er mal über etwas anderes als Corona reden darf.

Sollten Sie wegen Campylobacter-Angst trotzdem sicherheitshalber das Weihnachtsessen umstellen und auf Wild wechseln wollen, muss ich leider noch eine Warnung aussprechen: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelunsicherheit hat nämlich schon Anfang Dezember darauf hingewiesen, dass fast drei Viertel der Wurstwaren mit Wild drin durch Blei belastet sind.

Das steckt oft in der Munition von Jägern und deshalb später dann in dem, was aus dem abgeschossenen Tier gemacht wird. Deshalb solle man möglichst kein Wild essen, dass mit Bleimunition zur Strecke gebracht wurde. Sonst wird man krank oder fällt im ungünstigsten Fall ähnlich wie das Wild sofort tot um.

Ich habe daraufhin die Wildschweinsalami aus unserem Kühlschrank geholt und sie gefragt, womit sie erlegt wurde. Sie antwortete nicht. Folglich werden wir sie vorsichtshalber nicht essen, sondern bis Silvester aufheben. Da nehmen wir sie dann zum Bleigießen ...

Mein Rat: Lassen Sie sich den Appetit nicht verderben. Oder machen Sie Weihnachten einfach Nulldiät. Dann kann garantiert nix passieren. Frohes Fest und

Bis die Tage!

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