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Kommentar zur Freizeitsituation auf Scharpenacken: Paradies — nur für Hunde?

Kommentar zur Freizeitsituation auf Scharpenacken : Paradies — nur für Hunde?

Strahlender Sonnenschein. Dazu ein weißes Kleid aus frischem Schnee. Am Wochenende vor einer Woche schien es, als würden sich fast alle Wuppertaler und Nachbarn auf den Südhöhen verabredet haben. Der Scharpenacker Weg glich einer Hauptverkehrsader, obwohl doch so viele Menschen rund um das ehemalige Kasernengelände gar nicht wohnen können.

Schnell ist das Ziel des motorisierten Verkehrs klar: das Landschaftsschutzgebiet Scharpenacken. Autos sind an allen erlaubten und unerlaubten Stellen geparkt. Zur Not wird ein Parkverbotsschild umgefahren oder umgestoßen (jedenfalls lag das Verkehrszeichen mitsamt Stange im Schnee), damit ein Stück Straße genutzt werden kann.

Soeben aus dem Auto herausgesprungen, entledigt sich ein stattlicher Hund, noch außerhalb des früheren Truppenübungsgeländes, eines großen Haufens in den Schnee. Die Herrin hat zwar eine Plastiktüte an der Hundeleine befestigt, die aber nur Schau ist. Um die Hinterlassenschaft nicht entsorgen zu müssen, wird der Kot mit schnellem Tritt mit Schnee bedeckt. Ein unappetitlicher Gedanke, man könnte auf dieser "Tretmine" ausrutschen… Offen auf ihr kritikwürdiges Verhalten angesprochen, hat die Hundefrau kein schlechtes Gewissen und antwortet barsch: "Dann müsste ich den Kot ja tragen."

Der Freizeitpark ist voller Menschen und noch mehr Hunden. Auf einer Tafel mit Verhaltensregeln des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW, dem das Areal gehört, steht: "Gehorsame Hunde können auf befestigten Wegen und offenen Wiesen frei laufen!" Der gleiche Flächeninhaber fordert auf einer anderen Tafel: "Hunde anleinen!" Regeln hin oder her: Für die Tiere ein offensichtliches Vergnügen, zumal mehr als 95 Prozent nicht angeleint sind. Eine weitere Beobachtung: Vater zieht einen Schlitten mit zweijährigem Kind. Drum herum tollen die Vierbeiner. Darf ein Kleinkind Angst bekommen? Glück hat, wer nicht angesprungen wird. Glücklich auch Kinder, die ihre Schlitten benutzen können — und das winterliche, verschneite Wuppertal genießen.

Wenn die Stadt nach einem Alleinstellungsmerkmal für Touristen sucht, ist es schnell gefunden: Nicht nur im Winter ist der Scharpenacken das Ziel der Ziele, denn Hundebesitzer nehmen weite An- und Abfahrten aus dem ganzen Bergischen Land auf sich, um ihren Vierbeinern kostenlos kurzzeitig oder einige Stunden freien Lauf zu lassen. Willkommen im Hundeparadies Wuppertal! Nur das Parken kann schwierig und zuweilen teuer werden, wenn den Anwohnern das Leben zu bunt wird.

Hoffentlich kann ich mich jetzt noch in meiner Heimatstadt sehen lassen, denn es gibt kaum ein Thema, über das mehr gestritten wird. Auf Bürgersteigen und Wegen wird über Tretminen oft geflucht…