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Kommentar: Potenzial-Analyse für Elberfelds Handel: Wohin soll die Reise gehen?

Kommentar: Potenzial-Analyse für Elberfelds Handel : Wohin soll die Reise gehen?

"Noch Luft nach oben" — diesen Titel hat die städtische Wirtschaftsförderung ihrer Pressemittlung zur "Potenzial- und Benchmarking-Analyse City Elberfeld" gegeben. Gemacht hat die Analyse das Dortmunder Gutachterbüro "Stadt + Handel".

Die Daten stammen aus Passantenbefragungen an Elberfelder Hotspots. Wissen wollte man: Wo steht der Elberfelder Handel? Welche Marken fehlen? Wie könnte sich die City entwickeln und wandeln? Die Ergebnisse sollen unter dem Motto "Wuppertal 2025" in die Stadtplanung einfließen.

Randbemerkung: Barmen blieb bei der Analyse (wieder mal) außen vor. Warum eigentlich?

Hier ein paar Ergebnisse: Es fehlen allgemein qualitativ hochwertige Waren — 31 Prozent sagen das. Preisgünstiges vermissen nur drei Prozent. Wie passt das zu Primark an der Top-Lage Döppersberg? Auf die Frage, ob bestimmte Marken fehlen, antworten 85 Prozent mit "nein".

Weiteres Ergebnis: Die Gastronomie-Konzentration am Kasinokreisel sowie die Entwicklung des Luisen- und Laurentius-Sektors als "Szene" mit besonderem Einzelhandel sind positive Ansätze, die weiter verfolgt werden sollen. Wer hätte das vermutet? Muss man dazu Gutachter beauftragen?

Außerdem bewerten die Menschen die Öffnungszeiten der Geschäfte mit großer Mehrheit mit der Schulnote "gut". Soviel dazu, dass OB Peter Jung jüngst forderte, der Handel brauche dringend verlässlichere Öffnungszeiten.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in die Stadtplanung einfließen — aha. Gibt's die überhaupt, die Stadtplanung? Denk- und Gestaltungsstrukturen, die weit über politische Legislaturperioden und Parteigrenzen hinaus Fragen beantworten wie diese: Was für eine Stadt wollen wir sein? Was wollen wir wo haben, und was wo nicht?

Als der Bund der Architekten im Stadtplanungsausschuss einen Wuppertaler Masterplan zur Entwicklung der Innenstädte anmahnte, wurde das von SPD, CDU und Verwaltungsspitze rundheraus abgelehnt. So etwas schrecke doch nur Investoren ab...

Beruhigend ist, dass in den Vierteln, die funktionieren oder aber auf einem guten Weg sind, Stadtentwicklung von selbst — von innen heraus — klappt. Ohne Beteiligung irgendeiner Politik. Am Arrenberg etwa. Und im Luisenviertel, das die Zerschlagung des Kasinokreisels überlebt und die Öffnung der Luisenstraße zur Briller Straße aus eigener Kraft verhindert hat.

Ja, Wuppertal braucht Stadtplanung — unbedingt. Für Handel, Wohnviertel, für den Charakter der Stadt. Wenn aber, wie bei der Primark-Diskussion in der "Villa Media" am 21. Oktober, der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Müller öffentlich sagt, Investoren Vorschriften zu machen, sei "nicht seine Vorstellung von Politik", dann geht die Reise ganz woanders hin.

Das ist keine Stadtplanung. Das ist Ausverkauf.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)