Antwort zur geplanten Baumfällung vor dem Rathaus „Fällung ist bei uns immer erst der allerletzte Ausweg“

Wuppertal · Annette Berendes, Leiterin des städtischen Ressorts Grünflächen und Forsten, hat auf den offenen Brief des Vereins „Zukunft und Natur“ zur geplanten Fällung von fünf Linden auf dem Johannes-Rau-Platz vor dem Rathaus geantwortet. Der Wortlaut.

Annette Berendes leitet das Ressort Grünflächen und Forsten.

Foto: Stadt Wuppertal

Sehr geehrte Frau Tust-Follmann, sehr geehrte Frau Dr. Koall,

Frau Oberbürgermeisterin Scherff hat mich gebeten, Ihnen auf Ihre Anfrage zu antworten, was ich sehr gerne tue.

So wie Ihnen machen uns die Fällungen der Linden und einer Platane sehr betroffen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben jahrzehntelang die insgesamt sieben Bäume kontrolliert und gepflegt, dabei ist eine wesentliche emotionale Bindung entstanden. Der Umsturz der Linde vor dem Rathaus, bei dem mit viel Glück niemand zu Schaden gekommen ist, hat uns vollkommen überrascht, denn alle Bäume haben immer einen gesunden Eindruck gemacht.

Als wir jedoch die nur geringe Wurzelausbildung an der umgestürzten Linde gesehen haben, hatten wir bereits die Befürchtung, dass diese Linde nicht die einzige bleiben wird, die bald nicht mehr auf dem Rathausvorplatz stehen wird.

Der anschließend zusätzlich hinzugezogene externe Gutachter bestätigte unsere Befürchtungen: die Wurzelstandorte bei allen Bäumen sind zu gering ausgebildet, als dass ein Verbleib der Bäume möglich wäre. Eine umfangreiche Prüfung mittels spezieller Zugversuche machte das deutlich; mehr als fünfzig Prozent der Krone müssten je Baum eingekürzt werden, um eine vertretbare Stabilität zu erhalten. Ein derartiger Eingriff in die Baumkronen ist nicht zu vertreten, da die großen Schnittwunden eine zu große Schwächung der Bäume nach sich ziehen.

Wir tragen derzeit alle wesentlichen Informationen zusammen, die erforderlich sind für eine Nachpflanzung der Bäume. Hierzu zählen vor allem die Leitungspläne der Versorgungsträger im Untergrund, aber auch Angaben zum Denkmalschutz (der gesamte Platz steht unter Schutz) oder die damaligen Planungen zu den Baumstandorten. Sobald uns diese Angaben vorliegen, wird – entlang dieser Vorgaben – mit der Planung nach den aktuellen geltenden Regeln der Technik begonnen, anschließend ist die Finanzierung zu sichern.

Das Entfernen von Pflaster oder Platten ist aus Gründen des Denkmalschutzes und aufgrund der intensiven Nutzung des Platzes nicht möglich, die neuen Baumstandorte können jedoch hydrologisch und wassersensibel angepasst werden. In den letzten Jahrzehnten sind die Erkenntnisgewinne in diesem Bereich bedeutend. Eine Baumgrubengröße von 18 Kubikzentimeter ist unser Mindest-Ziel; ob dies aufgrund der Standortverhältnisse möglich ist, werden wir hoffentlich bald herausgefunden haben.

Gegebenenfalls können neben der ordinären Pflanzgrube auch Wurzelgräben und Tiefenbohrungen z.B. dabei helfen, einen Standort mit der gewünschten Größe zu schaffen. Auf dem Von-der Heydt-Platz ist uns dies gelungen, hier konnten wir auch einen Verbindungsraum der Baumgruben untereinander etablieren, um den Bäumen optimale Standortbedingungen zu bieten.

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben alle eine große Expertise in Baumkontrolle und Baumpflege, die auch formal nicht nur mit einer entsprechenden Ausbildung, sondern auch mit zusätzlichen Zertifizierungen bestätigt ist. Die Ausführung von Baumpflanzungen und der Jungbaumpflege ist Tagesgeschäft. Der öffentlich vereidigte Sachverständige und Gutachter ist ebenfalls seit sehr vielen Jahren in Fachkreisen hoch anerkannt, eine „differenziertere Begutachtung“ wird keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn ergeben.

Sobald ein Gutachten eine Frist (im vorliegenden Fall von zwei Wochen) für die Fällung eines Baumes benennt, ist dem unmittelbar zu folgen, da die Bäume akut umsturzgefährdet sind. Bodenverbesserungen und Rückschnitte können in der aktuellen Situation die Verkehrssicherheit nicht wiederherstellen. Es ist daher kein „übereiltes Verfahren“, sondern wir haben hier leider keinerlei Alternative.

Fällung ist bei uns immer erst der allerletzte Ausweg. Wenn Sie aufmerksam den städtischen Baumbestand betrachten, werden Sie häufig Kronensicherungen oder auch behutsame Rückschnitte beobachten können. Dies belastet den städtischen Haushalt nicht unwesentlich und erfordert einen erheblichen Einsatz von Personal, sollte uns allen jedoch der Erhalt der schönen, alten und für uns so wichtigen Bäume wert sein. Das Gutachten können Sie bei uns gerne einsehen, bitte vereinbaren Sie in diesem Fall einen Termin mit meiner Mitarbeiterin Frau Werth (Tel. 563-5546; anke.werth@stadt.wuppertal.de).

Wir erstellen derzeit ein stadtweites Stadtbaumkonzept, das überprüft, in welchen Grünanlagen, auf welchen Plätzen und in welchen Straßen zusätzlich Bäume gepflanzt werden können. In Folge werden wir in den nächsten Jahren – gerne auch wieder mit Ihnen zusammen – möglichst viele zusätzliche Bäume im Stadtgebiet pflanzen können.

Sehr herzlichen Dank für Ihr großes Engagement, viele Grüße

Dipl. Ing. Annette Berendes

Stadtverwaltung Wuppertal, Ressort 103, Grünflächen und Forsten, Ressortleitung