Kommentar zur „Schwebebahnstadt Wuppertal“: Bitte nicht kleinkariert denken

Kommentar zur „Schwebebahnstadt Wuppertal“ : Bitte nicht kleinkariert denken

Die Liberalen haben eine Vision, und die steht in einem Antrag zur Ratssitzung am 4. März. Wuppertal solle sich künftig klar zu seinem Wahrzeichen bekennen und sich deshalb "in sämtlichen neu zu druckenden Publikationen und Werbemitteln" als "Schwebebahnstadt" präsentieren.

Natürlich ebenfalls auf den Ortseingangsschildern.

Der Vorstoß ist nicht neu, bleibt aber trotzdem absolut richtig. Schon einmal, im Herbst 2011, wurde das Thema diskutiert — und verlief im staubtrockenen Sande des Ältestenrates. Wuppertal, so die damalige wundersame Mehrheitsmeinung der Entscheidungsträger, habe ja doch viel mehr zu bieten. Allen anderen Institutionen stoße man folglich vor den Kopf.

Diese Argumentation war und ist schlicht und ergreifend falsch. Es geht einzig und allein um das Alleinstellungsmerkmal, mit dem Auswärtige eine Stadt verbinden. Das ist weder die Oper noch die Uni noch der Zoo. Sie sind schön bzw. wichtig, aber eben auch in anderen Städten vorhanden. Da taugt die "Junior Uni" schon eher, doch die Rangordnung ist eindeutig. Nicht interne Eitelkeiten sollten im Vordergrund stehen, sondern die inhaltliche Nummer eins. Klingenstadt Solingen, Lutherstadt Wittenberg, documenta-Stadt Kassel — das passt genauso gut wie Schwebebahnstadt Wuppertal.

Die heimische Marketingkampagne "Keiner wie wir", die das im Grunde perfekte, sympathische "Wuppertal grüßt aus dem Bergischen Land" inklusive Wupperwurm ablöste, zündet nicht außerhalb der Stadtmauern. Sie zeigt aber immerhin eher unfreiwillig die Richtung. Etwas Besonderes, Einmaliges sollte es sein!

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Schmidt schießt etwas über das Ziel hinaus, wenn er sagt: "Unser Wahrzeichen ist weltweit bekannt und als Touristenattraktion fast ebenso beliebt wie der Kölner Dom." Recht hat er aber zweifelsohne damit, dass die Schwebebahn das Pfund ist, mit dem die Stadt unbedingt wuchern muss.

Und bitte: Komme jetzt niemand und weise auf die Kosten hin, die die Bezeichnung verursacht. Briefpapier wird immer gebraucht, bei E-Mail-Signaturen entsteht kaum Aufwand. Die Kosten sind minimal im Vergleich zu der PR-Offensive, die mit Blick auf den Döppersberg gestartet worden ist. Da sollten ein paar Groschen für eine sinnvolle Marketingaktion, die Gäste in die Stadt lockt, noch drin sein.

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