Kommentar über das Konzept des Grünen Zoos: Abschiednehmen ist nicht leicht

Kommentar über das Konzept des Grünen Zoos : Abschiednehmen ist nicht leicht

In meiner frühesten Erinnerung an Löwen schlägt mir ein beißender Uringeruch wie eine dicke unsichtbare Wand entgegen. Das Großkatzenhaus gleicht einem langen Flur, links die Zwinger, rechts wir, die Besucher.

Die majestätischen Tiere streifen getrieben am Gitter entlang, ruhelos und nervös, bei jeder Kurve wirft das Löwenmännchen seinen Kopf auf die Seite, alle zehn Sekunden erreicht er das Ende seines Geheges hinter dem Gitter. Auf und ab. Auf und ab.

Ganz in der Nähe, den Berg etwas weiter rechts hinauf, steige ich heute auf einen Turm und beobachte stolze Wildtiere, die anmutig auf dem Hügel stehen. Ich erlebe die Löwen in ihrem Familienverbund, entspannt, verspielt. Und ich verstehe etwas von ihrer Art, ich kann sie mir statt auf der grünen Wiese im Bergischen Land in der gelben Savanne Afrikas vorstellen. Manchmal aber sehe ich auch nur die Wiese.

Vergangene Woche bestätigten Zoodirektion und Stadtverwaltung, sich nun für eine neue Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Nordlandpanoramas entschieden zu haben. Die Eisbären gehen, die Seelöwen bekommen mehr Platz — und endlich die Wassertiefe, die auch das Säugetiergutachten vorschreibt. Das Konzept vom "Grünen Zoo", das seit Arne Lawrenz 2013 die Zoodirektion übernommen hat, die Agenda konzeptionell bestimmt, hat die Hügel an der Hubertusallee nachhaltig verändert. Es bietet den Tieren mehr Freiheit und steigert den Anspruch an den Besucher, der manchmal den steilen Berg zu den Löwen und Tigern aufsteigt und dort kein einziges Tier erblickt.

Um Verständnis zu wecken und Enttäuschungen vorzubeugen, muss der Zoo diesen neuen Anspruch seinen Besuchern vermitteln. Selbstbewusst für das Konzept einstehen, Lust machen auf Umdenken. Werde zum Entdecker! Das Label "Der Grüne Zoo" wird durch den Namen gelebt, sollte aber auf dem Zoo-Gelände selbst noch sichtbarer werden. Größere Tafeln. Mehr kurzweilige Informationen. Mehr Gadgets. Der Besucher muss jeden Moment wissen: Im Wuppertaler Zoo rutscht man nicht mehr von Scheibe zu Scheibe. Hier lohnt es, sich Zeit zu nehmen. Und dann kann man es erleben: Tiere aus aller Welt im Bergischen Land, in einer von Menschen fachkundig geschaffenen Umgebung, die den Tieren hilft, uns Besuchern etwas von ihrer natürlichen Verhaltensweise zu zeigen.

Und das ist viel spektakulärer als simples Zurschaustellen. Dass noch mehr Publikumslieblinge unseren Zoo verlassen, ist übrigens nicht zu befürchten. Langfristig, sagt Arne Lawrenz, sollen sogar wieder mehr Arten angeschafft werden. Die Rothunde im Wolfsareal sind ein erstes schönes Beispiel für solche Neuankömmlinge. Und wenn die Elefanten-Anlage wie geplant renoviert und vergrößert wird, sollen dort andere afrikanische Tiere noch hinzukommen.

Aber für beides, ein transparent gelebtes Konzept sowie die Anschaffung weiterer Arten, braucht man Geld. Und das ist kein Geheimnis: Auch an der Hubertusallee könnte es (wie an anderen städtischen Orten) mehr sein.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass der Zoo drei große Unterstützer hat — und sie behält. Den Zoo-Verein, der gerade mit Aralandia in ein neues Highlight investiert. Die Stadtverwaltung, die ihn durch Subventionen überlebensfähig macht und dem Zoodirektor und seinem zukunftsweisenden Konzept hoffentlich weiterhin den Rücken stärkt. Und die Besucher, vor allem die Wuppertaler, die mit jedem Besuch an der Hubertusallee einen Beitrag leisten — in diesem Frühjahr und Sommer hoffentlich auch ohne Schwebebahn.

Gerade manch treuer Zoo-Fan bedauert, dass die Eisbären den Zoo verlassen werden. Auch mir tut es leid. Wahrscheinlich aber werden wir uns irgendwann an Anori und Luka erinnern und es sehr verwunderlich finden, dass erst im Jahr 2019 das Ende einer Tierhaltung besiegelt wurde, die dieser schönen Art nicht würdig war.

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