Der ESC-Blog des Wuppertaler Musikexperten Peter Bergener: Liebenswert mit großer Bandbreite

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Am Anfang der besten Geschichten steht immer eine Schnapsidee! Mit diesen Textzeilen beginnt das erste Lied des neuen Albums "Abenteuer Unvernunft" von "Mary Roos".

Vielleicht war es von Rosemarie Schwab, denn so heißt Mary Roos mit bürgerlichem Namen, als junges Mädchen mit neun Jahren auch erst nur eine Schnapsidee, als sie nach ersten musikalischen Auftritten im elterlichen Hotel 1958 bei einem Sommernachtsfest eines Karnevalvereins vor mehr als 800 Gästen auftrat.

Es war der Anfang einer großartigen Karriere: Ein Plattenproduzent wurde auf sie aufmerksam, nahm sie unter Vertrag und veröffentlichte ihre erste Schallplatte "Ja, die Dicken sind ja so gemütlich". Ich würde sagen, ja, dies war ja dann der Anfang ihrer besten Geschichte, denn jetzt feiert die großartige Sängerin bereits ihr "unglaubliches" 60. Bühnenjubiläum. Mary Roos ist auf keinen Fall mehr aus der deutschen Musikszene wegzudenken.

Zurzeit nimmt sie an der 5. Staffel der VOX-Reihe "Sing meinen Song — Das Tauschkonzert" teil. Diese Woche war ihr großer Abend im TV. Mark Forster, Rea Garvey usw. sangen die Lieder von Mary auf ihre eigene Art und Weise. Man merkte, wie sehr sich die Sanges-Kolleginnen und Kollegen mit ihr verstehen und sie als Künstlerin und als Mensch sehr wertschätzen.

Doch, das war mir nur zu klar: Ich selbst habe Mary Roos bereits zweimal persönlich kennen gelernt. Das erste Mal war es 2015 im Kölner Gloria-Theater, aber nicht, weil sie dort aufgetreten war. Der Stargast des Abends war Katja Ebstein. Mary Roos war nur durch Zufall in der Stadt Köln und kam nur mal so vorbei, um Katja in ihrer Garderobe zu überraschen. So eine Herzlichkeit und Wärme kam mir von Mary entgegen, als ich sie traf, dass mir da bewusst wurde, warum ich nicht nur ihre Lieder schon immer mochte, sondern sie auch als super "Typ" richtig eingeschätzt habe.

Das neue Album. Foto: Universal Music Group Electrola

Dieses erste persönliche Treffen mit ihr hat mich auch direkt animiert, dem Präsidenten des Eurovisionsclubs vorzuschlagen, doch unbedingt alles zu versuchen, Mary für das Clubtreffen 2016 zu engagieren. Da dies von vielen anderen Seiten auch als Vorschlag kam und es tatsächlich in Marys Terminkalender passte, trat sie beim ECG-Clubtreffen 2016 im Gloria-Theater auf und war zweifelsohne an dem Abend der große Star. Sie bekam von den rund 400 Gästen Standing Ovations. Auch ich hatte die Möglichkeit, mich mit ihr backstage an dem Abend zu unterhalten. Es war ein echt gelungener Abend, an dem ich noch immer gerne zurückdenke. Man merkt halt, dass sie ein "Menschenfreund" ist. Dies hat auch Mark Forster bei "Sing my song" sofort erkannt.

Apropos Mark Forster: Für ihn hat Mary Roos ein ganz persönliches Dankeschön auf ihrem neuen Album: Sie singt ganz auf ihre eigene Art und Weise den wunderschönen Titel von Mark "Bauch und Kopf". Sie sagte in einem Interview, dass sie unbedingt einen Song von ihm singen wollte, weil der Song sie immer an diese wunderschöne Zeit von "Sing meinen Song" in Südafrika erinnern wird.

Auf ihrem neuen Album "Abenteuer Unvernunft" präsentiert sie uns neben ein paar Neuaufnahmen ihrer großen Hits auch neue Songs, die authentischer nicht sein können. Mary Roos zeigt, dass sie ein Händchen für moderne Lieder mit Tiefgang hat, ohne dabei Witz vermissen zu lassen. Natürlich gibt es auf der CD auch die grandiose deutschsprachige Hymne von 1972 "Nur die Liebe lässt uns leben". Mt diesem Song vertrat Mary Roos Deutschland beim Grand Prix und erreichte im Jahr 1972 einen hervorragenden dritten Platz.

Sie ist einfach für mich die liebenswerteste Sängerin, die wir in Deutschland haben. Sie war eigentlich immer da, nie weg vom Fenster, ein echter deutscher Star, aber eben so wunderbar normal, dass man sie einfach lieben muss. Und sie kann jedes Genre an Musik bedienen, ob Balladen, Schlager, Pop-Songs, ja sogar Jazz- und Swing-Nummern. Ihre Bandbreite scheint unerschöpflich zu sein.

Übrigens schaffte sie den Sprung auf internationale Bühnen. Was vielleicht einige nicht wissen: In den 70ern verehrten unsere französischen Nachbarn sie als erfolgreiche Chanson-Sängerin. Mary Roos trat als erste Deutsche im Pariser Olympia auf. Zwei französischsprachige Alben und ungefähr zehn französische Singles kamen von ihr auf dem französisch sprechenden Markt, und sogar in ein oder zwei französischen Filmen spielte sie mit. Ja, und sogar die Amerikaner luden die Sängerin als ersten deutschen Gast in die Muppets-Show ein.

Zweimal hat sie Deutschland in der Eurovision vertreten. Mit den Songs "Aufrecht geh‘n" und "Nur die Liebe lässt uns leben" schrieb sie deutsche Musikgeschichte. Auf all ihren Alben zeigt mir Mary Roos mit ihrer Stimme und den Texten ihr komplettes Gefühl. Sie hat einen unglaublichen Widererkennungswert in ihrer Stimme, und besonders auf Balladen transportiert sie dieses Gefühl an uns Zuhörer.

Meine persönliche Top 5 ihres neuen Albums "Abenteuer Unvernunft" sind:

1. Am Anfang der besten Geschichten
2. Steinalte Kinder
3. Bauch und Kopf
4. Sekretärin Rita
5. Ich wär bei mir geblieben.

Liebe Mary, ich wünsche Dir viel Glück mit Deinem neuen Album und hoffe, dass wir uns vielleicht ein drittes Mal persönlich wieder sehen. Das wäre "zu schön, um wahr zu sein" — übrigens auch ein absolut toller Song auf ihrem Album.

Liebe Leser der Wuppertaler Rundschau, hört Euch das neue Album an und genießt die Lieder und die Stimme von Mary, einer Frau, mit der man Pferde stehlen kann und die nicht im Geringsten kompliziert ist (gemäß einer Textzeile aus dem Lied "Ich wär bei mir geblieben") vom neuen Album).

Viele musikalische Grüße, Euer Euro-music-Peter!

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