Abstimmung am 19. April Wuppertal startet Kampagne vor Olympia-Bürgerentscheid

Wuppertal · Falls die Olympischen Spiele und die Paralympics nach Nordrhein-Westfalen kommen, will Wuppertal dabei sein: Das Stadion am Zoo und die Schwimmoper sind als Austragungs- und Trainingsorte vorgesehen.

Die Schwimmoper könnte als Trainingsstätte, aber auch für Wasserball genutzt werden.

Foto: Dirk Freund

Bis zum 19. April können die Wuppertalerinnen und Wuppertaler in einem Ratsbürgerentscheid per Briefwahl darüber abstimmen, ob ihre Heimatstadt dabei sein soll, wenn sich die Region Köln-Rhein-Ruhr für die Spiele bewirbt.

„Die Zustimmung der Menschen ist für uns in Wuppertal und auch für das Land NRW essenziell“, so Oberbürgermeisterin Miriam Scherff. „Nur wenn die Wuppertalerinnen und Wuppertaler dahinterstehen, können wir erfolgreich Austragungsort sein. Dass wir gute Gastgeber sind, haben wir zuletzt bei der Fußball-EM vor zwei Jahren gezeigt. Die slowenische Nationalmannschaft hatte bei uns ihr Base Camp und war uns richtig ans Herz gewachsen. So einen Moment der Verbundenheit über den Sport würde ich mir mit einer Olympia-Beteiligung wieder wünschen!“

Kompakt, nachhaltig und spektakulär – so möchte die Region „KölnRheinRuhr“ punkten. Die Spiele sollen in bestehenden Sportstätten stattfinden und nachhaltig sein. 50 von 54 Sportarten könnten in einem Radius von 40 Kilometern ausgetragen werden. Wuppertal für Fußball und Wasserball vorgesehen.

Einzig das olympische Leichtathletik-Stadion und das umgebende olympische Dorf, die Herzkammer der Spiele, sollen in der „Leading City“ Köln neu gebaut werden. Nach den Spielen wird die Sportstätte auf Basis einer vorhandenen stadtplanerischen Grundlage zum Kern eines neuen Stadtquartiers weiterentwickelt.

„Mit dem Stadion am Zoo und der Schwimmoper können wir zwei attraktive Wettkampforte anbieten“, sagt Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski. „Daneben ist unsere geographische Lage mit bester Anbindung an Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet natürlich ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“

Die Stadt Wuppertal startet am 27. März gemeinsam mit dem Stadtsportbund und technischer Unterstützung des städtischen Medienzentrums mit einer Kampagne für die Olympia-Bewerbung. Die Schildwand des Zoo-Stadions wird dabei zur Leinwand für eine Lichtinstallation des Licht-Künstlers Gregor Eisenmann. Außerdem ist die Wuppertaler Firma Riedel mit an Bord, die schon mehrfach für den reibungslosen technischen Ablauf bei Olympischen Spielen verantwortlich zeichnete.

Inhaber Thomas Riedel wird die Bewerbung als „Local Hero“ unterstützen: „Als Wuppertaler Global Player im Sport mit fast vier Jahrzehnten Erfahrung weiß ich um die verbindende Kraft des Sports und der Ringe. Die Spiele inspirieren, schaffen Gemeinschaft und bringen neben Städten und ganzen Regionen auch die Welt näher zusammen. Gleichzeitig stoßen sie durch Investitionen in Verkehr, Sportstätten und öffentliche Infrastruktur langfristige Entwicklungen an – davon profitieren nicht nur Sportfans, sondern alle Menschen vor Ort.“

Riedel weiter: „Gerade deshalb hat für mich als langjähriger Technologiepartner die Idee mit Deutschland und der Region NRW als Austragungsort sehr viel Charme – und ich unterstütze sie von Herzen. Beim Gedanken daran, dass Wuppertal Teil dieser Vision sein kann und als möglicher Austragungsort im Gespräch ist, leuchten meine Augen so stark wie die Flamme der Fackel, die ich 2010 in Vancouver tragen durfte.“

Für den Ratsbürgerentscheid in Wuppertal sind nach jetzigem Stand Kosten von 400.000 Euro veranschlagt. Davon würde das Land 85 Prozent, also 340.00 Euro, übernehmen.

„Von einer Beteiligung Wuppertals würden wir uns natürlich viele Effekte versprechen“, sagt Martin Bang, Chef des Stadtmarketings (WMG). „Gemeinschaftsgefühl und Identifikation, Sportkultur und Jugendarbeit, Stärkung von Tourismus, Handel und Gastronomie sind der gesellschaftliche Mehrwert, den die Spiele in die Stadt bringen würden.“

Zu den Argumenten für eine Austragung der Spiele in NRW gehört die Zahl der möglichen Fans: 160 Millionen Menschen leben in einem Radius von 500 Kilometern. „In Nordrhein-Westfalen sind rund 5,5 Millionen Menschen in Sportvereinen aktiv. Dort wird täglich Sport gelebt. Olympische Spiele in der Region Köln-Rhein-Ruhr wären eine Win-win-Situation sowohl für den Breiten- als auch für den Leistungssport“, meint Volkmar Schwarz, Geschäftsführer des Stadtsportbundes Wuppertal, dem allein 300 Vereine mit rund 66.000 Mitgliedern angehören.

Zudem könnten 95 Prozent der Athletinnen und Athleten kompakt in einem Olympischen Dorf untergebracht werden – ein weiteres Argument für ein Olympia der kurzen Wege. Die Ausrichtung der Spiele soll zudem Anreize setzen, ohnehin geplante und notwendige Investitionen in Infrastruktur und Förderung der nachhaltigen Mobilität voranzutreiben.

Die Region Köln-Rhein-Ruhr möchte ebenso wie München, Berlin und Hamburg als deutscher Kandidat für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen gehen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will am 26. September in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden, wer es wird.

Karten für die Lichtinstallation am 27. März gibt es ab Freitag (27. Februar) online und an der Kasse der Schwimmoper.