„Aktuelle Beobachtungen aus Praxis, Beratung und Forschung zeigen einen besorgniserregenden Trend. Neben der weiterhin hohen Zahl von Kindeswohlgefährdungen in der Familie sind auch andere Gewaltformen verstärkt in den Fokus gerückt: zunehmende Peer-to-Peer-Gewalt unter Gleichaltrigen, eskalierende Konflikte im schulischen Umfeld sowie ein massiver Anstieg digitaler Gewalt in sozialen Netzwerken und Messengerdiensten“, so der Kinderschutzbund.
„Kinder und Jugendliche erleben heute Gewalt in vielfältigen Formen – oft gleichzeitig und übergreifend“, so Landesgeschäftsführer Michael Kutz. „Diese Mehrfachbelastung hat gravierende Auswirkungen auf ihre Entwicklung, ihr Sicherheitsgefühl und ihre psychische Gesundheit“, ergänzt Landesgeschäftsführerin Krista Körbes.
Besonders alarmierend sei dabei die zunehmende Verlagerung von Gewalt in digitale Räume: Cybermobbing, Bedrohungen, Bloßstellungen und sexualisierte Übergriffe fänden im Internet rund um die Uhr statt und entzögen sich häufig der unmittelbaren Kontrolle durch Erwachsene: „Die Grenzen zwischen analoger und digitaler Gewalt verschwimmen zunehmend. Gleichzeitig berichten Fachkräfte von einer steigenden Zahl an Fällen, in denen Gewalt auch von Erwachsenen in institutionellen Kontexten ausgeübt wird – etwa in Kitas, der Schule oder der Kinder- und Jugendhilfe. Dies untergräbt das Vertrauen junger Menschen in Schutzräume und Bezugspersonen erheblich.“
Zum Tag der gewaltfreien Erziehung erinnert der Kinderschutzbund NRW daran, dass Kinder ein Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen haben – seit dem Jahr 2000 verankert im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Doch die Realität zeige, dass dieses Recht vielerorts nicht ausreichend umgesetzt werde.
„Gewaltfreie Erziehung ist kein Ideal, sondern ein unverzichtbarer Standard“, betont Prof. Dr. Gaby Flößer, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes NRW. „Wir fordern daher ein entschlossenes, koordiniertes Handeln: den Ausbau niedrigschwelliger Beratungs- und Unterstützungsangebote für Familien und junge Menschen, stärkere Präventionsarbeit in Kitas, Schulen und digitalen Räumen, verbindliche Schutzkonzepte in allen Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, gezielte Fortbildungen für Fachkräfte im Umgang mit Gewalt und Grenzverletzungen sowie eine konsequente politische Priorisierung des Kinderschutzes.“