NS-Zeit: Neues Buch über den Wuppertaler Widerstand: Journalistische Sternstunde

NS-Zeit: Neues Buch über den Wuppertaler Widerstand: Journalistische Sternstunde

Mit "nachts, wenn die Gestapo schellte..." haben die Herausgeber Sebastian Schröder und Dirk Krüger jetzt ein großes Stück Zeitungsarbeit der späten 60er Jahre in Buchform veröffentlicht.

Hut ab. Vor den beiden (leider schon verstorbenen) Wülfrather Journalisten Klaus H. Jann und Doris Jann für diese 42-teilige Artikelserie. Vor der damals in Wuppertal beheimateten NRZ, die diese Artikelserie gebracht hat. Vor Sebastian Schröder und Dirk Krüger, die das Ganze akribisch zusammengetragen, durch seinerzeitige Leserbriefe ergänzt und mit Vor- und Nachwort abgerundet haben. Und vor Alfred Mierschs Nordpark-Verlag, wo "nachts, wenn die Gestapo schellte..." jetzt erscheinen konnte.

Es gibt sie immer wieder — journalistische Sternstunden. Wenn etwas gelingt, was vorher so noch nicht geschrieben wurde. Und das auch noch richtig gut. Vom 13. Januar bis 12. März 1968 veröffentlichte die NRZ eine große Serie zum Wuppertaler Widerstand gegen die Nazi-Diktatur. Mit exaktem, engagierten und wahrhaft spannendem Blick auf viele, viele lokale Facetten, die damals weitestgehend (noch) unbekannt waren. Und es vielfach (jammerschade) auch heute noch sind.

Klaus H. Jann († 2015) und seine Frau Doris († 1994) haben damals — als die Auseinandersetzung mit dem Widerstand gegen die Nazis noch längst keine Selbstverständlichkeit war — akribisch und per intensiver Archiv- und Interviewarbeit ein breit gefächertes Spektrum von parteipolitischem, gewerkschaftlichem, kirchlichem sowie juristische Widerstand dokumentiert. Und sie haben all diese Facetten nicht etwa trocken aufgelistet, sondern rasant, packend und auf hohem journalistischem Niveau in die damalige Gegenwart geholt.

Diese Gegenwart gilt auch jetzt noch ohne Abstriche: Viele Namen sind heute bekannt von Straßenschildern und anderen Ehrungen. Für die es oft auch viel, viel zu lang gedauert hat.

Jeder der 42 Texte ist fesselnd — wenn es auch immer wieder wahrlich schwer fällt weiterzulesen, weil die körperliche Gewalt der Nazi-Schläger, der Folterer und Henker schonungslos beschrieben wird. Viele Fäuste ballt man da in der Tasche angesichts der Hilflosigkeit der Verhafteten, die selten auch nur den Hauch von Hilfe erhielten.

Immer wieder einmal atmet man als Leser aber auch erleichtert auf, wenn es einem der wagemutigen Nein-Sager gelingt, dem Tod von der Schippe zu springen.

Dieses schmale Buch ist ein bemerkenswertes (Wuppertaler) Zeitdokument. Und absolut lesbar. Uneingeschränkt empfehlenswert für alle Generationen. Mindestens genauso gut wie "ZDF History". Wenn nicht deutlich besser.

"nachts, wenn die Gestapo schellte...", herausgegeben von Sebastian Schröder und Dirk Krüger, ist im Wuppertaler Nordpark-Verlag erschienen, hat 200 Seiten und 40 zeitgeschichtliche Abbildungen. Der Band kostet im Buchhandel 15 Euro.

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