Cyrill und Maybe beim 33. Schülerrockfestival: Zwei Rapper gegen die Plastikmusik

Cyrill und Maybe beim 33. Schülerrockfestival : Zwei Rapper gegen die Plastikmusik

"Wir mögen die Wahrheit und urteilen nicht", sagen Cyrill und Maybe über ihre Texte. Gemeinsam wollen sie den deutschen Rap verändern.

An einem Mittwochnachmittag stand Leonard Cyrill Schorm ohne Ankündigung plötzlich in der Redaktion der Wuppertaler Rundschau. Er sagte "Hey, ich bin Cyrill und rappe beim Schülerrockfestival." Und dann: "Wollt ihr nicht über mich und Maybe schreiben?" Er ließ uns ein Faltblatt mit Infos über ihn und seinen Rap-Kollegen da und sagte zum Abschied zum anwesenden Redaktionsteam: "Macht das Beste aus dem Tag."

Sein Besuch hinterließ Eindruck. Eine Woche später war er wieder da. Diesmal zusammen mit Maximilian Barski alias Maybe. Gut gelaunt und etwas aufgekratzt ließen die beiden sich auf Stühlen im Rundschau-Konferenzraum nieder und erzählten ihre Geschichte.

Durch Zufall lernten sie sich vor einigen Jahren über ein Battle-Turnier kennen — und zwar nicht in der realen Welt, sondern auf YouTube. Mit Rap-Videos treten Teilnehmer dabei auf der Musikplattform gegeneinander an. "Ich habe mir die Videos von Cyrill angesehen und gedacht: Die Gegend kenne ich doch. Der muss aus Wuppertal kommen", erzählt Max. Bei einem Rap-Workshop, organisiert von Kalle Waldinger und dem Rockprojekt, trafen die zwei Rapper zum ersten Mal persönlich aufeinander. Man kann auf jeden Fall sagen, es hat sofort alles gepasst zwischen den beiden — mindestens auf der Musik-Ebene.

Die beiden Abiturienten loben sich im Interview gegenseitig, und das klingt nicht nach Show, sondern ernst gemeint. "Er ist hoher Standard", sagt Cyrill über Maybe. "Er schreibt alle seine Songs selber, von den Instrumentals bis zum Rap", so Maybe über Cyrill.

Ihr erster gemeinsamer Song "Nein gegen Drogen" entstand noch im Rap-Workshop mit Kalle Waldinger. ",MoooN', eine Wuppertaler Lokalgröße, hat uns dann unseren ersten Auftritt besorgt." Und zwar im Kontakthof. "Gerammelt voll war es, wir haben die ganze Schule eingeladen."

Von da an ging es aufwärts, zusammen als Rap-Duo und jeder für sich. "No chaos no longer" heißt Cyrills erstes Album, mit dem er versuchte, sich selbst zu finden. "Jugend, Pubertät, das waren Themen, die mich bewegten und die ich verarbeiten musste. Mit Mehrwert, nicht bloß als Seelenstrip."

Maybes Spezialität ist der Doppeltime-Rap — Texte vorgetragen in doppelter Geschwindigkeit. Maybe hat das drauf. Und auch er möchte Mehrwert. Keine "Plastikmusik", nicht nur "Drogen, Sex und Waffen", sondern tiefer. Was wäre tiefer? "Eingestehen, dass man nicht immer der Beste ist", sagt Maybe. Cyrill ergänzt: "Das Gegenteil von Erfolg ist nicht Misserfolg. Es ist Nichtstun."

Stillstand kommt für die Abiturienten nicht in Frage. Als Nächstes steht der Auftritt beim Schülerrockfestival in der Uni-Halle an. Vor drei Jahren riefen sie dort mit "MoooN" die Rap-Bühne ins Leben und ermunterten junge Rapper, am Festival teilzunehmen. Dieses Jahr findet das gesamte Programm wieder auf einer gemeinsamen Bühne statt — der Rap-Anteil ist trotzdem gestiegen.

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