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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Wuppertaler Weltformel

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Wuppertaler Weltformel

Unsere wunderbare Wuppertaler Sprachwelt kann immer wieder für Überraschungen sorgen, wenn man genau hinhört. Diese Woche hatte ich da ein echtes Aha-Erlebnis, als ich zu einem Kollegen sagte: „Getz kriegen wir bei den Pommes demnächst Stückpreise, weil wir kein Öl mehr zum Frittieren haben.“ Statt sich mit mir aufzuregen, antwortete er gelassen: „Irgendwat is immer.“

Erst Stunden später wurde mir klar, welch unfassbares Potenzial diese drei Worte haben. „Irgendwat is immer“ erklärt nicht nur alles, was in unserer bekloppten kleinen und der genauso bescheuerten großen weiten Welt passiert, sondern schenkt uns auch noch die nötige Gelassenheit, das alles entspannt zu ertragen. Es ist quasi eine Wuppertaler Weltformel, die für jede, absolut jede Lebenssituation passt. Probieren Sie das mal mit mir zusammen aus.

 „Der Kaiserwagen hat jetzt bald ein digitales Betriebssystem, aber leider keine Räder mehr. Was sagt man dazu?“ – „Irgendwat is immer.“

„In der Stadtbibliothek kann man jetzt Bücher ausleihen, in denen mehr Schimmel ist als in Gorgonzola!“ – „Irgendwat is immer.“

„Erst hatten wir zu viel Wasser in der Wupper und jetzt gar keins mehr.“ – „Irgendwat is immer.“

 „Im Barmer Impfzentrum haben Sie sich tierisch erschrocken, weil einer kam und ne Spritze wollte.“ – „Irgendwat is immer.“

„Beim BUGA-Bürgerentscheid muss man nein ankreuzen, wenn man ja meint, aber auf keinen Fall umgekehrt oder vielleicht doch nicht.“ – „Irgendwat is immer.“

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Sie sehen, dass es keine Gelegenheit gibt, bei der „Irgendwat is immer“ nicht funktioniert. Sprachforscher werden irgendwann herausarbeiten, dass sich diese geniale Universalantwort auf alle Fragen der menschlichen Existenz nur in Wuppertal zu solcher Perfektion entwickeln konnte, weil die Einwohner der Stadt schon früh nach einem Weg suchen mussten, durch den täglich vor ihrer Tür passierenden lokalen Irrsinn nicht komplett aus der Bahn geworfen zu werden.

„Wir sollen zu unserem schönen Barmen jetzt plötzlich Wuppertal sagen“, hat zum Beispiel die halbe Stadt 1929 geschrien. Die andere Hälfte hat gesagt „Irgendwat is immer.“ 1950 liefen aufgeregte Menschen durch Unterbarmen und riefen: „Ich werd bekloppt, da ist gerade ein Elefant aus der Schwebebahn gesprungen.“ Passanten antworteten: „Na und, irgendwat ist immer.“

Auf unsere heutige Zeit, wo die Lage weltweit so schwierig ist wie lange nicht mehr, sind wir dank dieser sprachlichen Ausstattung deutlich besser vorbereitet als zum Beispiel die Bundeswehr. Unsere Verteidigungsministerin muss bekanntlich googeln, um zu gucken, ob ein Major eigentlich mehr ist als ein Oberst. Aber machen Sie sich keine Sorgen, irgendwat is ja immer. Und Kanzler Scholz hat mit Putin gesprochen, aber beide wissen einen Tag später nicht mehr, worüber? Ruhig bleiben: Irgendwat is immer.

Die Masken sind weg und alle Kunden wieder da, die im Supermarkt erst in der Nase bohren und dann mit demselben Finger prüfen, ob die Tomaten noch schön fest sind? Nicht aufregen, irgendwat is immer. Ihre Heizölrechnung legt nahe, dass Sie den Fuhrpark des zuständigen Ölscheichs gleich mitgekauft haben? Irgendwat is immer. Die Produktion ihres neuen Autos verzögert sich so lange, dass Sie bei der Auslieferung schon ein H-Kennzeichen für Oldtimer beantragen können? Irgendwat is immer. Und das hat ja auch Steuervorteile.

Kurz gesagt: Wenn „Barmen live“ seinem Motto nach „Dat Fest mit alles“ ist, dann ist „Irgendwat is immer“ die Antwort mit alles. Es handelt sich sozusagen um die multifunktionalste Drei-Worte-Konstruktion innerhalb der deutschen Dialekte, die mindestens einen Sprach-Nobelpreis verdient hätte. Wie bitte? Den gibt es gar nicht? Ich sag‘s ja: Irgendwat is immer ...

Bis die Tage!