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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Rundschau: Welttoilettentag

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Welttoilettentag

Donnerstag war Welttoilettentag. Den habe ich bisher eher weniger gefeiert. Aber weil 2020 sowieso alles driete ist, kann man sich ja auch mal damit beschäftigen.

Zumal der Welttoilettentag 2001 eingeführt wurde, um auf einen durchaus gravierenden globalen Missstand hinzuweisen: Er soll nämlich die Politik darauf aufmerksam machen, dass 40 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu ausreichend hygienischen Sanitäreinrichtungen hat. Betroffen sind vor allem Menschen in Zentralafrika und Indien sowie Passanten in den beiden Wuppertaler Fußgängerzonen.

Auf dem Weg durch die Elberfelder City findet man bekanntlich eher den Schatz der Nibelungen als eine öffentliche Toilette. Die einzige mir bekannte in der Fußgängerzone ist die Mauer am Parkhaus des neuen Döppersbergs, in die man extra Löcher reingemacht hat, damit zumindest Männer mit großem Druck auf der Blase selbigen diskret ablassen können. Sie müssen allerdings aufpassen, dass ihnen keine Steine auf den Piephahn plumpsen, weil die Mauer ja etwas bröselig ist.

Es gibt natürlich noch die Toilette in der Bahnhofshalle, deren Benutzung allerdings so teuer ist, als würde man da nicht A-A, sondern Atommüll entsorgen. Hinzu kommt, dass sie strategisch geschickt rechtzeitig schließt, bevor am Wochenende einschlägige Regionalzüge bis an den Kragenrand mit dunklem Bier befüllte Besucher der Düsseldorfer Altstadt zurück in die Heimat transportieren. Die ergießen sich dann im doppelten Sinne des Wortes in die abendliche City.

Wenn bei uns auffällig Leute mit ziemlich verkniffenem Gesicht durch die Innenstadt laufen, muss es sich also nicht zwangsläufig um Wuppertaler Muffelsköppe handeln. Es kann auch sein, dass sie einfach nur müssen. Sie werden dann froh sein, wenn sie nach Hause kommen und wieder ein Klo in Reichweite haben. Mit dessen Betriebskosten hat sich anlässlich des Welttoilettentags übrigens ein Immobilien-Startup beschäftigt und ermittelt, was in den 30 größten deutschen Städten Klospülvorgänge im stillen heimischen Örtchen kosten. Wie nicht anders zu erwarten, spiegelt sich der hohe Wert des privaten Klos in der öffentlichen Toilettenwüste Wuppertal auch in dieser Statistik wider. Nur in fünf Städten ist einmal aufs Häuschen gehen teurer als bei uns.

Die Statistiker haben sich für diesen Vergleich Wasserkosten und Abwassergebühren angeguckt und das Ganze auf Basis von fünf Toilettengängen pro Tag ausgerechnet. Demnach kostet dann einmal Abziehen in Wuppertal zwischen einem und knapp fünf Cent. Wie teuer es genau ist, hängt davon ab, ob man einen Drei-, Sechs- oder Zehn-Liter Spülkasten hat.

Ich habe natürlich direkt mal nachgeguckt, bin aber gescheitert, weil bei uns die Spülkästen in der Wand verbaut sind. Der Versuch, das Wasser eines Spülvorgangs mit dem Küchen-Meßbecher aufzufangen, ist ebenfalls gescheitert. Das ist Mist, weil in dieser Thematik ja riesiges Sparpotenzial für das tägliche Leben drinsteckt: Als Wuppertaler entwickelt man doch automtisch beim Stadtbummel schon die Fähigkeit zum langen Einhalten. Wenn man die auch zu Hause nutzt, dann könnte man sich reich kneifen – aber eben nur, sofern der Spülkasten groß genug ist.

Für einen Cent pro Pullern müsste man praktisch alles ausschwitzen, bis man auch nur das Geld für ein paar kleine Bierchen raus hätte. Und wo sollte man mit denen dann bloß wieder hin?.

Bis die Tage!