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Nach Toreschluss - die Wochenend-Satire: Asphaltflüsterer

Nach Toreschluss - die Wochenend-Satire : Asphaltflüsterer

Das sind gute Nachrichten: Die Stadt hat eine "Task Force" mit zwei neuen Fahrzeugen samt Besatzung gegründet, die sich um schnelle Reparaturen auf Wuppertals Straßen kümmern soll. "Task Force" hört sich toll an.

Das sieht man vor dem geistigen Auge förmlich einen Kleinlaster mit quietschenden Reifen vor einem Schlagloch halten. Dann springen stahlharte Typen von der Ladefläche und reißen sich schon im Flug die orangefarbenen Westen vom Leib, um wie die wilden Würste ein Schlagloch zuzuspachteln und sofort zum nächsten zu verschwinden. Ein Bitumen-Blitzeinsatzkommando, das innerhalb kürzester Zeit aus unserer Kraterstraßenlandschaft eine Formel-1-Piste machen wird.

Als neulich die Straße Sondern in Beyenburg ausgebessert werden musste, war die "Task Force" aber offensichtlich verhindert. Die Anlieger haben den Reparatureinsatz nämlich etwas anders wahrgenommen. Dazu muss man wissen, dass das Sträßlein Sondern ganz schön ramponiert worden ist, weil es während der Bauarbeiten am Sportplatz Albertshöhe als Zufahrt für unzählige Laster diente. Mit der dort ebenfalls errichteten Lärmschutzwand in der Größe der Berliner Mauer wuchsen auch die Löcher in der Straße.

Umso erfreuter registrierte die Nachbarschaft neulich die Ankunft eines orangefarbenen Kleinlasters mit einem fünf Mann starken städtischen Tiefbautrupp, der sich an die Reparatur machte. Allerdings mit einer Arbeitseinteilung, die den Beobachtern zu denken gab. Teammitglied Nummer eins war ausschließlich als Fahrer aktiv. Ein Einsatzgebiet, das im gesamten Tagesverlauf die Anfahrt, das einmalige Versetzen des Lasters um 30 Meter sowie die abendliche Abfahrt umfasste.

Bei Teammitglied Nummer zwei handelte es sich offensichtlich um den Vorarbeiter, der umfangreich gestikulierte, aber ansonsten an keiner straßenbaulichen Aktivität teilnahm. Anwohner vermuteten in ihm eine Art Asphaltflüsterer, der mit Geisteskraft die Konsistenz des neu aufzubringenden Bodenbelags günstig beeinflusst.

Selbige Asphaltmischung musste aber von den drei verbleibenden, tatsächlich händisch tätigen Mitstreitern erst angerührt werden. Die wuchteten dazu einen großen Block der entsprechenden Grundsubstanz in einen Bottich, entfachten ein Gasfeuer darunter und schauten dem Klotz im Kreise ihrer Kollegen andächtig beim Schmelzen zu. Das war nach einer guten Viertelstunde ohne menschliches Zutun geschafft, woraufhin Aktivist Nummer eins den Inhalt ausgoss, Nummer zwei ihn glatt machte und Nummer drei Sand drüber warf. Ein Vorgang, der sich im Lauf der nächsten drei Tage noch vielmals wiederholte.

Hinter den Fenstern standen die Anwohner und mussten sich gegenseitig stützen, um nicht vor Lachen umzufallen. Was wäre wohl, dachten sie sich, wenn man in einen zweiten Bottich investiert hätte, um parallel arbeiten zu können? Oder gar in einen dritten? Oder wenn man sich Lochauffüller mit Führerschein gesucht hätte, die selbst zum Einsatzort fahren können? Oder wenn der Chef selbst gefahren wäre, vorher zwei Bottiche aufgeladen und mit angepackt hätte, während zwei oder drei andere hier dann nicht benötigte Jungs in derselben Zeit woanders Löcher zugemacht hätten? Wäre man dann hier vielleicht in einem Tag fertig gewesen und müsste gar keine "Task Force" gründen? Aber bestimmt wissen wir einfach nur viel zu wenig über Straßenbau ...

Bis die Tage!