Kommentar zur OB-Wahl und ihren Folgen: Zu viel verlangt!

Kommentar zur OB-Wahl und ihren Folgen : Zu viel verlangt!

"Der Wechsel ist möglich." Als Andreas Mucke am vergangenen Sonntag diesen Satz angesichts seines guten Ergebnisses auf der Wahlbühne im Rathaus sagte, da lag so etwas wie Euphorie und Aufbruchstimmung in der Luft.

Nur zwei Prozentpunkte trennten den SPD-Herausforderer von Amtsinhaber Peter Jung. Damit hatte der 48-Jährige geschafft, womit offensichtlich nur wenige wirklich gerechnet hatten: Er hat sich trotz einer komplizierten Ausgangslage für viele Wähler als eine Alternative für das Amt des Oberbürgermeisters empfohlen.

In der Stichwahl, so sah es bis zum späten Montagabend aus, würde es Peter Jung schwer haben, mehr Wähler zu mobilisieren als Mucke. Rechnete man doch damit, dass Grüne, Linke und WfW in Anbetracht des denkbaren Wechsels jetzt dem SPD-Kandidaten ihre Unterstützung zusagen würden. Die Linke zauderte auch nicht lang. "Es darf kein ,weiter so' geben", schrieb sie in einer Pressemitteilung, "der bisherige Oberbürgermeister sollte endlich abgelöst werden. Erst dann eröffnet sich überhaupt eine Chance für neue Mehrheiten, fortschrittliche Projekte und einen Politikwechsel." Auch die WfW hat sich am Dienstagmittag auf Muckes Seite geschlagen.

Den Grünen — so wie wohl auch der FDP — genügt dagegen die bloße Chance auf Veränderung nicht. Sie wollen von Mucke ein klares Bekenntnis, dass mit ihm im Amt die Große Kooperation beendet wird. Da Mucke dies im Gespräch mit den Grünen am Montag jedoch laut Fraktionsvorsitzendem Marc Schulz nicht habe klar machen können, gibt es eben auch keine Wahlempfehlung von Grün für Rot.

Das kann man konsequent finden. Und man kann dafür auch in Anbetracht des Zickzack-Kurses der Sozialdemokraten bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr Verständnis haben. Wirklich weiter bringt es allerdings unterm Strich niemanden, der eine Veränderung in der Stadt anstrebt. Das sollte allen Beteiligten in dieser entscheidenden Phase klar sein. Damit haben die Grünen zwar ihr eigenes Profil geschärft, dies jedoch dem Willen nach Veränderung klar untergeordnet.

Für Andreas Mucke ist dies eine mehr als undankbare Rolle. Das, was die Grünen von ihm fordern, wird er ihnen nicht geben können. Mucke gilt als Mann der leisen Töne, ist eher Diplomat als Revolutionär, der jetzt aber — geht es nach den Grünen — klare Kante zeigen und Versprechen abgeben soll, die er allein gar nicht halten kann. Immer wieder hat er deutlich gemacht, dass er kein Freund der Großen Kooperation ist und alle Fraktionen in seine Arbeit mit einbeziehen will — wirklich beweisen kann er das jedoch erst, wenn er im Amt ist. Aus dieser Zwickmühle können ihn jetzt nur all die befreien, die einen Wechsel so sehr wollen, dass sie ihm einen Vertrauensvorschuss gewähren — und jenseits eigener Kooperations- und Parteiinteressen forcieren. Wer diesen Weg nun nicht entschieden mitgeht, hat damit das Recht verwirkt, sich im Fall einer Wiederwahl von Peter Jung über den Stillstand in Wuppertal zu beklagen.

Das größte Vertrauen darin, dass mit Mucke als OB die Tage der Großen Kooperation gezählt sind, hat übrigens die CDU. Deren Fraktions-Chef Michael Müller gab seinen Parteikollegen zu verstehen: "Ohne Peter Jung ist die Große Kooperation am Ende."