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Kommentar zum Zahlen der Zukunft: Weg mit dem Bargeld?

Kommentar zum Zahlen der Zukunft : Weg mit dem Bargeld?

Caroline Lünenschloss ist jung, unter 30 Jahre. Und so ist es alles andere als erstaunlich, dass die Wuppertaler CDU-Fraktionsvorsitzende und Bundestagskandidatin mit Blick auf die Parkscheinautomaten einer „digitalen Lösung“, also einer „Park-App“, positiv gegenübersteht.

Man müsse kein passendes Kleingeld mehr dabeihaben, es gebe eine fairere Abrechnung durch eine minutengenaue Erfassung, außerdem entfalle der Aufwand zur Leerung und Bestückung der Automaten: „So hat die lästige Suche nach Kleingeld dann ein Ende ebenso wie die Frage, ob bei einem längeren Einkaufsbummel oder Arztbesuch die zuvor gebuchte Parkdauer ausreichend ist. Denn man wird rechtzeitig vor Ablauf der bezahlten Parkdauer von seinem Smartphone erinnert und kann bei Bedarf nachlösen.“

Das kann man durchaus so sehen. Aber es gibt auch – wie immer im Leben – weitere Aspekte. Die Tendenz, die Bürgerinnen und Bürger zum bargeldlosen Zahlen zu ermuntern, hat während der Corona-Pandemie gewaltig Fahrt aufgenommen. Meist wurden hygienische Gründe angeführt. Aber eben auch praktikable. Für die Firmen spart es Aufwand und Kosten. Karten auflegen, abbuchen lassen, fertig. Sollten wir also das Bargeld komplett abschaffen? Ganz sicher nicht! Und das aus zweierlei Gründen.

In Düsseldorf verkauft ein Bäcker seit kurzem ausschließlich per Abbuchung. Aber ist das sozial? Noch immer haben Menschen in Deutschland ein Problem, ein Konto zu eröffnen, auch auf Guthabenbasis – obwohl das Gesetz es vorschreibt. Und was ist mit den Bürgerinnen und Bürgern, deren Konto aufgrund einer Notlage, ob selbst verschuldet oder nicht, momentan nicht verfügbar ist? Sie sind außen vor – und ich rede da nicht nur von einem Parkticket. Da muss man schon gute Freunde oder Bekannte haben, um schnell aus der Bredouille zu kommen. Gesellschaftliche Teilhabe? Dann hier nicht.

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In Großbritannien öffnen die ersten Supermärkte eines weltweit tätigen Versandriesen. Man geht hinein, legt die Waren in den Wagen, passiert am Ende einen Scanner, alles wird automatisch abgebucht. „Das ist ja prima, spart Zeit“, höre ich viele nun sagen. Stimmt, jedoch dazu drei kleine Anmerkungen. 1. Den Job der Kassiererin oder des Kassierers gibt es dort künftig nicht mehr, höchstens den des (wahrscheinlich ohne Tarifvertrag) Regale auffüllenden Menschen. 2. Das Unternehmen gelangt in den Besitz hoch rentablen Daten-Goldes, mit dem es weitere Gewinne macht (und sie nur ziemlich gering versteuern muss). Und wieder höre ich: „Egal, ch habe ja nichts zu verbergen!“ Kann sein, aber wer weiß schon, was aktuell und später damit passiert? 3. Jeder, aber auch jeder Einkauf ist dann nachvollziehbar – auf dem künftig meterlangen Kontoauszug für immer und ewig dokumentiert (viel Spaß bei der Steuererklärung!).

Ja, ich weiß, das klingt alles recht sozialromantisch. Und natürlich hat die Digitalisierung auch viele gute Seiten. Doch so lange es Bargeld gibt, muss es möglich sein, damit auch zu zahlen. Es spricht nichts dagegen, beide Varianten anzubieten. Ob im Supermarkt, auf dem Autobahnklo, im Kino – oder eben beim Parken.