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Wuppertaler BUGA-Pläne: Leuchten oder langsam unsichtbar werden?

Kommentar zu Wuppertaler BUGA-Plänen : Leuchten oder langsam unsichtbar werden?

„Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“, lautet eine beliebte Frage an Kandidaten in Bewerbungsgesprächen. Wie würde die Antwort wohl ausfallen, wenn man Wuppertal diese Frage stellt? Ich fände gut, wenn sie ungefähr so aussehen würde: „In der überregionalen Wahrnehmung endlich nicht mehr als graue Maus, sondern als Trendsetter-Stadt, die rechtzeitig den Mut hatte, sich neu zu erfinden.“

Die Weichen dafür könnten jetzt gestellt werden: Mit dem „Circular-Valley“-Projekt, das rasend schnell sehr konkrete Formen annimmt, hat sich Wuppertal bereits an die Spitze der Kreislaufwirtschafts-Bewegung gesetzt. Das Konzept einer „Circular BUGA“ würde nahtlos daran anknüpfen und das Profil eines „anderen“ Wuppertal noch plakativer in Szene setzen. Eine Hängebrücke der Superlative, ein quasi weltweit einmaliger Mobilitäts-Zirkel und ein Zoo, den es in dieser neu angedachten Form auch nirgendwo gibt – an der touristischen Zugkraft dieser Idee haben Profis (siehe Seite 9) keinen Zweifel. Und dass die Wuppertaler in einer Stadt mit diesem Setting dauerhaft selbst auch mehr Lebensqualität atmen würden, dürfte niemand ernsthaft bestreiten.

Bleibt nur ein Problem: Können wir uns die 70-Millionen BUGA-Euro eigentlich leisten? Die Gegner sehen das nicht so, ich sehe es ganz anders: Wir müssen Sie uns leisten! Denn wo soll eigentlich sonst noch die große Stadtentwicklungs-Perspektive herkommen, die Wuppertal zurück auf die Landkarte bringt? Mir fällt jedenfalls keine ein. Auch das Pina-Bausch-Zentrum, das bei aller kulturellen Bedeutung letztlich eine Nische weit jenseits des Aufmerksamkeits-Mainstreams besetzt, wird diese Rolle nicht übernehmen ... Wuppertal kann also entweder das Handtuch werfen, sich weiter selbst verzwergen, ab und zu mit ein paar schüchternen Plakat-Aktionen und bemühten Slogans überregional erklären, dass es hier in Wirklichkeit gar nicht so übel ist, und ansonsten die Daumen drücken, dass die Schwebebahn nicht mehr ausfällt, um nicht auch sein letztes Alleinstellungsmerkmal zu verlieren. Oder den (politischen) Mut aufbringen, größer zu denken und damit auch enorme wirtschaftliche BUGA-Sekundäreffekte zu heben, die 70 Millionen Euro Kosten relativieren.

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Außerdem: „Circular Valley“ macht ja gerade vor, wie eine private Initiative überregionale Kreise zieht und dabei öffentliche Fördergelder und Sponsoren aus der Wirtschaft generiert. Warum soll das mit einem überzeugenden Konzept nicht auch der Stadt selbst gelingen? Spätestens nach der Bundestagswahl dürfte unabhängig vom Ausgang so viel Geld für Nachhaltigjkeits-Themen in der Staats-Pipeline stecken wie nie zuvor. Und haben wir nicht einen Oberbürgermeister, der mit seinen Netzwerken gerade auf dieser Ebene etwas bewirken können sollte? Ein Schuldenschnitt für finanzschwache Kommunen, der Wuppertal wieder mehr Luft verschaffen würde, steht außerdem dringender denn je auf der bundespolitischen Agenda. Und auf Landesebene, wo nächstes Jahr ebenfalls die Karten neu gemischt werden, hat die grüne „Circular Valley“-Idee ja sogar bei Schwarz-Gelb schon gezündet.

Vielleicht gibt es einen Weg, sich der BUGA planerisch weiter zu nähern, ohne gleich alles auf eine finanzielle Karte zu setzen. Da wäre dann ein bisschen von der Kreativität gefragt, die irgendwie immer da ist, wenn plötzlich irgendwo akuter Finanzierungsbedarf entsteht. Wenn der Rat die BUGA-Pläne im Herbst aber mit finanziellen Totschlag-Argumenten schon im Keim erstickt, gehen in Wuppertal ein Stück mehr die Lichter aus. Und Wuppertals Antwort auf die Eingangsfrage wäre dann: „In zehn Jahren sehe ich mich eigentlich gar nicht mehr ...“