Kommentar zum neuen „Primark“-Gebäude: Ethik und Standort als Knackpunkte

Kommentar zum neuen „Primark“-Gebäude : Ethik und Standort als Knackpunkte

Wie könnte das neue Gebäude am Elberfelder Döppersberg künftig im Volksmund heißen? Diese Rundschau-Frage sorgte in den vergangenen Tagen für eine gewaltige Leserresonanz. Insgesamt knapp 1.000 Vorschläge liegen inzwischen vor (wir berichteten) — von purer Ablehnung (die Mehrzahl) bis hin zu Zustimmung.

Viele Einsendungen haben gemeinsam, dass die Frage des künftigen Mieters, der Architektur und des Standortes ineinander spielen. Das ist absolut nicht falsch, dennoch gilt es zu differenzieren.

Der Mieter: "Primark" polarisiert. Nicht nur in Wuppertal, sondern überall. Der Kritik an den Produktionsbedingungen muss sich das Unternehmen stellen. Das externe Argument, dass auch andere Firmen fragwürdig produzieren lassen oder ließen, zählt nicht. Jeder Fall ist einzeln zu betrachten. Die Diskussion ist daher richtig und notwendig. Und: Der Verbraucher hat Macht. Er kann entscheiden, wo er kauft. Es liegt an "Primark", mit einem offenen und ehrlichen Dialog sowie einer nachvollziehbaren Firmenpolitik ohne Ausbeutung die Kritiker zu überzeugen. Unter www.primark.com/de/unsere-ethik/menschen-produktion hat das Unternehmen nun eine Website freigeschaltet. Ein Ansatz, dem weitere folgen müssen. Auch andernorts.

Die Architektur: Ganz ehrlich? Schlecht ist sie nicht. Da habe ich in Wuppertal schon wesentlich uninspiriertere Bauten gesehen. Und zwar viele. Das Gebäude ist ein Hingucker, abseits der 08/15-Architektur. Natürlich gewöhnungsbedürftig, aber durchaus würdig — mit leichten Hundertwasser-Haus-Anspielungen.

Der Standort: Es ist der zweite Knackpunkt. Eigentlich sollte das Gebäude 30 Meter weiter östlich Richtung Kreuzung Brausenwerth stehen, und das wäre auch viel besser gewesen. Tut es aber auf Druck des Investors nicht. Und so sind nun sämtliche Sichtachsen in Richtung des wunderschönen Hauptbahnhofs und des nicht minder attraktiven Ex-Bundesbahndirektionsgebäudes versperrt — wenn man nicht gerade genau in der Fußgängerzone steht. Statt eines großzügigen "Eingangstores zur Stadt" herrscht nun Enge. Von der Schloßbleiche aus oder etwa aus Richtung Barmen kommend sticht nur dieser eine Bau ins Auge. Gleichzeitig fallen auch die versprochenen Parkelemente kleiner aus als zunächst versprochen. Das ist schlecht, sehr sogar.

Bei aller berechtigten Kritik sollte man aber eins nicht vergessen: Der "alte" Döppersberg war alles andere als Wuppertal-Werbung. Der Hauptbahnhof wurde durch einen hässlichen Vorbau entweiht. Und wer hat nicht noch den ganz besonderen Geruch des Tunnels in der Nase? Ein zu verklärendes Aushängeschild war der ehemalige "Döpps" jedenfalls nicht.