Kommentar zum Neustart des Tanztheaters: Mit künstlerischen Visionen und mit Biss

Kommentar zum Neustart des Tanztheaters : Mit künstlerischen Visionen und mit Biss

Als sich Adolphe Binder zu Beginn des vergangenen Jahres erstmals in Wuppertal vorstellte, war ich mehr als skeptisch, zu wage erschienen mir ihre Aussagen, zu farblos präsentierte sie sich.

Als sie jedoch jetzt ihre erste Spielzeit präsentierte, erlebte ich eine Frau, die überzeugte, der man anmerkte, dass sie sich in den letzten Wochen und Monaten in ihre neue Aufgabe reingekniet hat, konsequent einen Weg eingeschlagen hat, behutsam, ohne vorhandene Strukturen zu zerstören. So kraftvoll, wie sich Binder im Kronleuchterfoyer der Oper zeigte, traut man ihr zu, selber anzupacken, wenn keine Hilfe in Sicht ist, sich durchzusetzen, auch gegen erhebliche Widerstände.

Sie hat sich intensiv mit den Möglichkeiten auseinander gesetzt, wie es gelingt, das Erbe von Pina Bausch zu bewahren und lebendig zu erhalten. Dabei hat sie sich an Aussagen der großen Choreographin orientiert, die immer wieder Grenzen ausgetastet hat, ohne die Neugierde auf die Welt und die Liebe zu den Menschen zu verlieren.

Auch wenn es von der Kulturpolitik gerne gesehen würde, setzt Binder nicht auf eine radikale Verjüngung des Ensembles, sondern ist sich der Besonderheit bewusst, drei Tänzergenerationen auf der Bühne zu zeigen. Sie beweist Rückgrat und zeigt sich als eine ernst zu nehmende Streiterin für die Belange ihrer Compagnie.

Ohne ein mit Kosten verbundenes internationales Beraterteam hat sie zwei in Deutschland eher unbekannte Choreographen eingeladen, im kommenden Frühjahr zwei abendfüllende Uraufführungen zu erarbeiten, dafür starke Kooperationspartner in Paris und London gefunden.

Mit "Feuer und Flamme" hat sie bereits ein neues Format vorgestellt, das die Compagnie stärker in der Stadt verankern soll. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden angesprochen, Mitmachprojekte erarbeitet, die ebenfalls offen für Menschen mit Behinderung sein werden. Damit schafft sie neue kreative Betätigungsfelder für das Ensemble. Außerdem wird sich die Compagnie am 2. September aktiv am Trassenfest beteiligen. Und am 6. und 7. Oktober sind alle Wuppertaler ins Opernhaus eingeladen, um gemeinsam mit der Compagnie den Start in die Spielzeit zu feiern.

Weiterhin setzt sie auf die Zugkraft der Stücke von Pina Bausch, möchte lange nicht gespielte Abende wieder aufnehmen. Adolphe Binder ist die enge Zusammenarbeit mit der Bausch-Foundation wichtig und sie geht in ihrer Zukunftsplanung von der Realisierung des Internationalen Tanzzentrums aus. Da ist die Politik gefordert.

"Ich will keine Asche bewahren, sondern eine Flamme weiter tragen", ist das Motto von Adolphe Binder. Jetzt liegt es an uns Wuppertalern, sie dabei zu unterstützen.

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