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Kommentar zur Abkopplung Wuppertals vom Bahnverkehr: Bitte nicht noch eine Zumutung!

Kommentar zur Abkopplung Wuppertals vom Bahnverkehr : Bitte nicht noch eine Zumutung!

Wuppertal in den Oster- und Sommerferien wegen der Arbeiten am elektronischen Stellwerk abgekoppelt vom Bahnverkehr: Das ist ein Szenario, bei dem Urlaubern und Pendlern angst und bange wird. Immerhin haben wir das schon einmal in kleinerem Maßstab geübt — während der Sperrungen 2015 und 2016.

Bei einer Rundschau-Umfrage unter Nutzern des dafür eingerichteten Schienenersatzverkehrs vor einem Jahr waren Kommentare wie der von Karl-Heinz Maier noch harmlos: "Das Ganze ist eine Zumutung", befand der gehbehinderte Rentner aus Hagen auf dem Weg Richtung Düsseldorf nach einer Odyssee auf der Suche nach Bussen, Haltestellen und Infos.

Vorige Woche haben die Deutsche Bahn und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der (in diesem Punkt ziemlich machtlosen) Stadt Details zu den Ersatzverkehrs-Angeboten vorgestellt. "Es würde mich wundern, wenn es keine Komplikationen gibt", sagte dabei VRR-Sprecher Martin Husmann. Das ist wenigstens ehrlich und erinnert an den Satz eines Sprechers von "Straßen.NRW", der 2015 ähnliches für die seinerzeit bevorstehenden Vollsperrungen der A46 voraussagte. Damals trieb die fehlende Abstimmung zwischen Stadt und "Straßen.NRW" in kongenialer Kombination mit dämlichen Beschilderungen Wuppertal in den kompletten Verkehrsinfarkt. Dabei hatte diese Sperrung einen ähnlich langen Organisations-Vorlauf wie jetzt die Bahn-Blockade, bei der übrigens auch noch drei private Linien-Betreiber mit im Planungs-Boot sitzen.

Angekündigt sind für die Ausfallzeit "Wegeleitungen" Richtung Ersatzverkehr, entsprechendes Infomaterial in gedruckter und digitaler Form sowie an den jeweiligen Endhaltestellen der Einsatz von "Reisendenlenkern". Man kann nur hoffen (oder besser: Man muss erwarten dürfen...), dass dieses Paket wirklich ernsthaft, mit Sinn und Verstand sowie der nötigen Manpower umgesetzt wird.
Was einen allerdings jetzt schon stutzen lässt, sind die kalkulierten Fahrzeiten für die Ersatzbusse: 40 Minuten von Wuppertal-Hauptbahnhof bis Düsseldorf-Hauptbahnhof in der Rush-Hour? Über eine dann sicherlich mit zusätzlichen von der Bahn aufs Auto umgestiegenen Pendlern belastete Stau-Autobahn 46? Auf der vielleicht in den Ferien auch noch "Straßen.NRW" in bewährter Form aktiv ist? Das sei ein Durchschnittswert bezogen auf alle Fahrten zu den unterschiedlichen Uhrzeiten, erklärt die Bahn. Wenn Sie mich fragen: Nehmen Sie lieber genügend Proviant mit...