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Kommentar zur (bald) abgeschlossenen Schwebebahnerneuerung: Auf ins nächste Jahrhundert

Kommentar zur (bald) abgeschlossenen Schwebebahnerneuerung : Auf ins nächste Jahrhundert

Nur noch wenige Tage bis zum Millennium. Oder sagen wir bis zur Jahrhundertwende. Zur speziellen Wuppertaler Jahrhundertwende: Denn im kommenden Jahr wird der Komplett-Umbau der Schwebebahn abgeschlossen sein — fast 114 Jahre, nachdem sie erstmalig die Wuppertaler von Oberbarmen bis Vohwinkel transportierte.

Mit einem ausgetauschten Gerüst, mit umgebauten oder völlig neuen Bahnhöfen, einem modernisiertem Betriebssystem und 31 brandneuen Waggons.

Dabei ist und bleibt die Schwebebahn ein paradoxes Verkehrsmittel. Nicht nur wegen der ungewöhnlichen Anordnung seiner Räder oder dem Trassenverlauf über einem Fluss. Sondern selbst jetzt im "beginnenden nächsten Jahrhundert", weil es trotz seines absolut zeitgemäßen technischen Auftritts immer noch in erster Linie als skurriles Ingenieurs-Konstrukt aus der wilhelminischen Kaiserzeit wahrgenommen wird.

  • „Wir haben dich sehr vermisst“, heißt
    Junior Uni Wuppertal : Begrüßungs-Schilder für die Schwebebahn
  • Vohwinkel : Leben im Rhythmus der Schwebebahn
  • Unsere kleinen Schwebebahnen wecken wohl bei
    Aus dem Tagebuch der Redaktion : Schwebebahn-Klau

Diese Kombination muss naturgemäß die Neugierde von Touristen wecken — nicht nur, wenn sie technisch interessiert sind. In den letzten Jahren hat sich die Schwebebahn in der Liste der TOP 100-Sehenswürdigkeiten in Deutschland von Platz 95 auf 69 vorgearbeitet — ausweislich einer Erhebung der Deutschen Zentrale für Tourismus. In NRW liegen nur die Dome von Köln und Aachen und (knapp) die Düsseldorfer Altstadt davor. Mit der Einführung der babyblauen neuen Züge wird die Aufmerksamkeit für die Bahn erneut gesteigert werden können. Dass sie etwas mehr schaukelt als ihre Vorgänger, pendeln die Eingeborenen locker aus, bei Auswärtigen erhöht es aber zusätzlich den Nervenkitzel ein wenig...

Dabei gilt unverändert für Wuppertals Wahrzeichen, dass es nicht nur das außergewöhnlichste, sondern (trotz des Unfalls von 1999) auch das sicherste öffentliche Verkehrsmittel der Welt ist. Das gilt es in einer Zeit, in der Superlativen alles andere verdrängen, auszunutzen und weiter zu befeuern. So wie Merchandising, das vom Spritzguss-Modell über die Zaubertasse bis hin zu Fruchtgummis und Seifensets schon recht ordentlich funktioniert; auch der optisch und technisch aufgepimpte Kaiserwagen macht einen guten Job. Bleibt zu wünschen, dass auch für den einen bei den WSW verbleibenden Waggon der auslaufenden Generation eine attraktive Nutzung gefunden und finanziert werden kann. Da die Party-Nutzung ja leider aus statischen Gründen ausscheidet, könnte man vielleicht über einen Glasboden nachdenken — da würde sogar den Wuppertalern der Schweiß ausbrechen.