Wuppertals Chronik 2018: W wie wohin?

Wuppertals Chronik 2018: W wie wohin?

Es hatte sich bereits 2017 angebahnt: 2018 wird für die Verantwortlichen, für die Gäste und Mitarbeiter des "Café Cosa" kein leichtes Jahr werden. Der Wupperpark-Ost und auch der Pavillon, in den das Café ziehen sollte, werden nicht fertig.

Die evangelische Kirche verkündet, sie gibt der Einrichtung für Suchterkrankte Herberge. Am Kirchplatz, mitten in der Stadt. Erst spricht man mit den Nachbarn, dann mit der Presse. Der Sturm bricht trotzdem los. Ich habe die erste Pressekonferenz zum Thema "Café Cosa" am Kirchplatz besucht — und auch all die weiteren.

Ich spürte die Hoffnung der Akteure damals, Ende 2017. Dass das gut klappen könnte. Doch die Situation verändert sich, durch die benachbarte Hotelbaustelle wird vor dem Café an der Calvinstraße eine Mauer gezogen, die den Eingang uneinsehbar macht. Im April wieder eine Pressekonferenz, dieses Mal im "Café Cosa" selbst. Die Verantwortlichen tragen Optimismus zur Schau. Die Botschaft: "Wir haben alles im Griff."

Der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe konzentriert sich auf seine Arbeit, übersieht in dieser Zeit niemals die Klienten, aber die Außenwirkung und die Stimmung mancher Nachbarn, die sich von Skepsis zu offener Feindseligkeit wandelt.

Ich saß nicht nur bei den Pressekonferenzen, sondern oft in der Mittagspause an der Calvinstraße. Beim Eiscafé mit den Kollegen sah ich, wie Cosa-Kunden und ihre Bekannten bei milderen Temperaturen im Frühling immer mehr den Kirchplatz einnehmen. Ich beobachtete, wie in einem heißen und trockenen Sommer der Kirchplatz zur Szene wird. Und als große Befürworterin und Bewunderin der akzeptierenden Drogenarbeit in Wuppertal war ich mir manchmal selbst nicht mehr so sicher, wie ich dieses Treiben finden sollte.

Der Zeitplan für den Wupperpark-Ost verschiebt sich weiter nach hinten. Während die Verantwortlichen öffentlich eine Lösung suchen, bringt ein unscheinbarer Zettel, der eine einwöchige Schließung des Cafés verkündet, die Stimmung zum Kippen. Eine Nachbarin fotografiert ihn und stellt ihn ins Netz. Der Einzelhandelsverband deutet die Schließung öffentlich als Kapitulation.

Die Verantwortlichen, die nur eine pädagogische Maßnahme durchführen wollten, zeigen sich bestürzt. Ihr "so war das nicht gemeint" verhallt. Und für 2019 finden sich keine geeigneten Räume. Seit Mitte Dezember ist das "Café Cosa" geschlossen. Die Maßnahme des Jobcenters wird an der Friedrich-Engels-Allee 122 weitergeführt. Aber das "Cosa" gibt es nicht mehr.

Nun sitze ich wieder mit den Verantwortlichen zusammen, die Stimmung ist heiter. Es gibt guten Grund, fröhlich zu sein. Denn da ist so viel mehr als das "Café Cosa". Der Freundes- und Förderkreis Suchtkrankenhilfe feiert seinen 40. Geburtstag und damit 40 Jahre voller gelungener Aktionen und Vorreiter-Projekten, von denen Städte in der ganzen Bundesrepublik gelernt haben. Und sogar die Geschichte um den Umzug des Cafés ist irgendwie, in ihrem Anfang und Ende, eine gute.

Denn zu Beginn steht, dass die Stadt Wuppertal für die Drogenerkrankten baut, mitten in der Stadt. Ein Entschluss, so revolutionär, dass ihn die Verantwortlichen kaum glauben konnten. Und wenn der ersehnte Pavillon kommt, ist das hoffentlich das Happy End, das ich den engagierten Akteuren so sehr wünsche.

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