Wuppertals Chronik 2018: Q wie Querdenker

Wuppertals Chronik 2018: Q wie Querdenker

Irgendwie bezeichnend, dass die Aktion "Stadtradeln" in unserer Rundschau-Chronik unter Q wie Querdenker landet. Denn so werden wir nach wie vor gesehen, wir Fahrradfahrer in Wuppertal (ich zähle mich jetzt selbst mal dazu, schließlich fahre ich zumindest ab und an mit meinem Fahrrad zur Arbeit).

Im September nahm Wuppertal zum ersten Mal an der deutschlandweiten "Stadtradeln"-Aktion teil und trat drei Wochen lang für gutes Klima und bessere Bedingungen im städtischen Radverkehr in die Pedale. Es forderte keine große Überredungskunst, die Kollegen davon zu überzeugen, mit einem Rundschau-Team teilzunehmen. Leider meldeten sich im Endeffekt doch nicht so viele an wie erhofft. Aber immerhin stiegen vier Redakteure und zwei Fotografen probeweise aufs Rad um.

Der Zweirad-Experte stellte uns dankenswerter Weise für die Zeit ein Pedelec zu Verfügung, so dass wir problemlos auch Strecken nach Barmen oder Vohwinkel bewältigen konnten, ohne am Ziel völlig in Schweiß gebadet unserem Interviewpartner gegenüber sitzen zu müssen (im September war es ja auch noch recht heiß).

Unser einstimmiges Fazit zum Fahrrad-Experiment: machbar und ein Gute-Laune-Garant. 830 Kilometer haben wir in den drei Wochen erradelt und 227 Kilogramm CO2 eingespart. Dabei geblieben sind wir (größtenteils) trotzdem nicht. Aber warum?

Der Frage versuchen nicht nur wir, sondern auch die Stadt auf den Grund zu gehen. Das größte Hemmnis dabei ist mit Sicherheit der innere Schweinehund. Schließlich ist es bequem, bei schlechtem Wetter oder schlechter Laune in den weichen Autositz zu plumpsen. Ich muss gestehen, beim Blick auf das Thermometer (frostige 1 Grad) habe ich den Gedanken an meinen windigen Fahrradsattel auch schnell wieder verworfen.

Zum anderen sind es wohl die fehlenden oder, sagen wir mal, unzureichenden Radwege in Wuppertal. Die Nordbahntrasse ist ja schön und gut, leider verläuft sie nicht bei jedem Wuppertaler direkt von der Haustür bis zum Arbeitsplatz, und wer freiwillig am Robert-Daum-Platz oder am Döppersberg über die B7 radelt, der muss schon echt Mumm in den Fahrradreifen haben.

Aktuell arbeitet die Stadt an einem neuen Radverkehrskonzept und möchte auch Ergebnisse aus dem Stadtradeln mit einbeziehen. Da dürfen wir Wuppertaler auf jeden Fall gespannt sein.

Das Radhaus am Döppersberg wird auf jeden Fall schon mal nicht gebaut, da die Stadt einfach niemanden finden konnte, der wirklich "Bock auf uns" hat. Aber da es sowieso keine Fahrradwege gibt, die auf direktem Wege zum Bahnhof führen, brauchen wir da ja auch kein riesen Radhaus.

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