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Wuppertal: Nächstebrecker Spielplatz für Völkerverständigung

Spielplatz für Völkerverständigung : Kosovo als Vorbild für Nächstebreck

Kurioser Denkanstoß für eine Spielplatz-Sanierung: Auf dem Balkan kam Wolf-Tilman Baumert die Idee, in Wuppertal Menschen spielerisch zusammenzubringen.

Die Inspiration kam aus dem Kosovo. Dort war Wolf-Tilman Baumert eigentlich beruflich unterwegs, und dann gab es da plötzlich diesen Augenblick an einem Spielplatz, der ihn innehalten ließ. Wo andere vorbeieilten, schaute Baumert genauer hin: Albanische und serbische Kinder spielten miteinander und nebenan die Eltern oder Großeltern. Von Feindschaft keine Spur, politische Grabenkämpfe werden anderswo ausgetragen.

„Der Spielplatz wurde zum Ort, an dem Generationen und Nationalitäten zueinander fanden“, erinnert sich Wolf-Tilman Baumert an das, was ihm dort durch den Kopf gegangen war.

Zurück in Nächstebreck stand er vor dem, was dort früher mal ein Spielplatz gewesen sein soll. Ehemals vom Bauträger der dortigen Eigenheime angelegt, und mittlerweile von Grün überwuchert. Nur die Überbleibsel eines Sandkastens erinnern noch daran, dass dort einst Kinder herumgetollt sind. Die Schaukeln waren morsch und gefährlich, und wurden längst abgebaut. „Das haben damals die Anwohner selbst in die Hand genommen“, erinnert sich Baumert.

Nun stand er also vor dem verlassenen Spielplatz in Nächstebreck mit dem vor Augen, was er im Kosovo gesehen hatte. Und dem Wissen darum, dass es im Stadtteil viele Kinder gibt. Die spielen in den kleinen Reihenhausgärten. Dort kommen schon mal Spielkameraden zu Besuch, aber große Klettertürme gibt es nicht. Die Eltern behalten die Lage meist von drinnen im Blick. Plaudereien auf der Spielplatzbank? Fehlanzeige. Ohne Elterntaxi ist weit und breit kein Spielplatz erreichbar.

Was also war zu tun, um dem Nächstebrecker Spielplatz wieder zu Kinderlachen zu verhelfen und die Menschen bei dem Spiel der Kinder in Kontakt zu bringen? Wolf-Tilman Baumert suchte Rat bei einem Landschaftsgärtner und schnell war klar: So etwas im Alleingang zu stemmen, ist schlicht unmöglich. Warum also nicht schon den Gemeinschaftssinn dort leben, wo die Dinge ins Rollen gebracht werden. Baumert klopfte beim Bürgerverein Nächstebreck an und traf dort gleich auf offene Ohren. Der Vorsitzende Hermann Josef Richter, ehemals Bürgermeister und auch ein Macher-Typ, nahm sich der Sache an.

Der Bürgerverein ist bekannt dafür, dass dort alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Sieben Vereine gibt es im Stadtteil und deren Vorsitzende sind allesamt im Bürgerverein aktiv. Und so dauerte es nicht lange, bis die Feuerwehr einen Bagger und Manpower versprach. Auch andere Vereine sicherten zu, mit anpacken zu wollen. Die Erlöse des diesjährigen Osterfeuers sollen ebenso in die Spielplatzkasse fließen wie die Gelder von Sponsoren. Auch die Anwohner haben Geld gesammelt, das dem neuen Spielplatzinventar zugute kommen soll. „Wir wollen das bis zum Herbst gemeinsam hinbekommen“, ist Hermann Josef Richter zuversichtlich, dass der neue Spielturm mit Rutsche bis dahin steht.