Interview mit App-Projektleiter Hans Haake: Was macht Wuppertal glücklich?

Interview mit App-Projektleiter Hans Haake : Was macht Wuppertal glücklich?

Wuppertal ist auf der Suche nach dem Glück. Im Mai 2017 startete das einmalige Pilotprojekt, mit Hilfe einer Smartphone-App nach dem Wuppertaler Glück zu forschen. Wir haben mit Hans Haake, einem der Glücksforscher, gesprochen.

Zusammen mit der Happiness Research Organisation initiierte das Wuppertal Institut die Befragung via App, die wertvolle Impulse zur Lebensqualität und Stadtentwicklung in Wuppertal liefern soll. Acht Monate später treffen wir Hans Haake, einen der Projektverantwortlichen der Glücks-App-Erhebung, im Wuppertal Institut und sprechen mit ihm über die ersten Ergebnisse der Glücks-App-Befragung sowie über seine persönlichen Rolle als Wuppertaler Glücksforscher.

Rundschau: Herr Haake, In Ihrem Berufsleben beschäftigen sie sich rund um die Uhr mit der Suche nach dem Glück. Sind Sie auch mal unglücklich?

Haake: Natürlich! Ich renne zwar den ganzen Tag mit meinen Glückspostkarten in der Hand durch die Gegend und mache mir Gedanken, wie man die Glücksforschung mit der App verbessern kann, aber auch ich habe mal schlechte Laune. Gerade wenn ich von meiner Arbeit erzähle oder Ergebnisse präsentiere, erwarten die Leute immer, das ich vor Glück strahle — der Hans im Glück eben. Das ist manchmal anstrengend.

Rundschau: Nach den ersten Ergebnissen der Glücks-App-Befragung sind Wuppertaler, die in Cronenberg leben, am glücklichsten. Wo wohnen Sie und wie glücklich sind Sie dort?

Haake: Ich wohne seit drei Jahren in Heckinghausen und Barmen. Diese Bezirke sind für mich eher die interessanten Stadtteile, denn da sind die Problemstellen, die Entwicklungspunkte. Gerade dieses Unfertige macht mich an Wuppertal glücklich. Die Stadt hat noch viel Potenzial, sich zu entwickeln. Zudem rennt man hier viele offene Türen ein, man ist schnell drin in den Prozessen und kann mitgestalten.

Rundschau: Sie betreiben Glücksforschung über eine Smartphone-App. Wie definiert die App den Begriff Glück?

Haake: Die App greift Glück in seiner Vielfältigkeit auf. Glück ist zum einen individuell und persönlich, aber auch vielfältig. Es gibt die Komponente "Glück im Moment" aber auch Glück als tiefere Zufriedenheit. Führe ich ein gutes Leben? Wir fragen zum einen nach Emotionen, zum anderen betreiben wir Glücksforschung in Bezug auf Stadtentwicklung, die glücklich macht.

Rundschau: Die App-Befragung bewegt sich also zwischen subjektivem Glück und Stadtentwicklungs-Forschung. In welcher Weise beschäftigt sich die App mit Stadtentwicklung?

Haake: Wir beobachten die Medien, filtern die Themen heraus, die Wuppertal bewegen und stellen gezielt Fragen dazu. Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit der Bundesgartenschau, der Seilbahn oder stellen Fragen zur Verkehrsinfrastruktur. Die Infrastruktur für Radfahrer wurde zum Beispiel eher schlecht bewertet, die Situation für Autofahrer hat sich seit Öffnung der B7 verbessert.

Rundschau: Welche Bilanz können Sie nach den ersten acht Monaten ziehen: Was macht Wuppertal glücklich?

Haake: Die gängigen Kriterien für Glück treffen auch auf Wuppertaler Bürger zu: Wuppertaler sind glücklicher, wenn sie studiert haben oder verheiratet sind, wenn sie mit Freunden zusammen sind und wenn sie draußen, also in der Natur oder anderswo unterwegs sind. Eine Wuppertaler Besonderheit ist, dass die Bürger glücklicher sind, wenn sie sich einbringen und ihre Stadt aktiv mitgestalten können. Auch das gute und günstige Wohnangebot in der Stadt macht Wuppertaler glücklich.

Rundschau: Was passiert mit den Ergebnissen der Glücks-App-Befragung?

Haake: Zum einen werden sie auf unserem Online-Dashboard veröffentlicht, da kann jeder Wuppertaler sie einsehen. Zum anderen stehen wir im engen Austausch mit Verwaltung, Politik und dem Oberbürgermeister.

Rundschau: Wieso wurde dieses einmalige Pilotprojekt der App-Befragung ausgerechnet in Wuppertal gestartet?

Haake: In einem Seminar an der Bergischen Universität zum Thema Stadtentwicklung meldete sich ein Student und erzählte von einem Bekannten bei der Happiness Research Organisation. Wir haben uns mit der Organisation in Verbindung gesetzt und eine Kooperation angeregt. Wuppertal eignet sich für die Glücks-App-Befragung, weil viele Dinge hier auf andere Städte in NRW übertragbar sind. Zudem ist das Wuppertal Institut gut vernetzt, und auch von der Stadt bekommen wir viel Rückenwind.

Rundschau: Warum beschäftigt sich gerade das Wuppertal Institut als Forschungsinstitut für nachhaltige Entwicklung mit der Suche nach dem Glück?

Haake: Das ist ganz einfach. Das Wuppertal Institut betreibt Glücksforschung, um herauszufinden, wie wir einen nachhaltigeren Lebensstil umsetzen können, ohne das Glück der Wuppertaler und ihre Lebensqualität zu beeinflussen. Ein Fahrverbot zum Beispiel reduziert die CO2 Belastung, macht aber natürlich nicht glücklich. Wir fragen: Wie kann man ökologisch und nachhaltig handeln und trotzdem glücklich sein?

Rundschau: Sie haben am Anfang unseres Gesprächs gesagt, dass Menschen glücklicher sind, wenn sie sich mit Glück beschäftigen. Trifft das auch auf Sie persönlich zu?

Haake: Ich würde sagen, ich bin durch meine Arbeit nicht glücklicher, aber zufriedener geworden. Ich bin sonst eher ein Pessimist, aber es macht mich sehr zufrieden, dass ich hier etwas bewirken kann, und natürlich denke ich jetzt viel öfter darüber nach, ob ich glücklich bin.

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